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Miezentag

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Von: Sylvia Staude

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Mäusegeschnetzeltes in Rahmsoße, Spatz au vin oder Amselschenkel toskanische Art? Was steht heute auf der Karte im Katzenrestaurant?
Mäusegeschnetzeltes in Rahmsoße, Spatz au vin oder Amselschenkel toskanische Art? Was steht heute auf der Karte im Katzenrestaurant? © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Zum Internationalen Tag der Katze: Welche Zumutungen die Tiere neuerdings auf sich nehmen müssen.

Essen hat die Kraft, uns auf bedeutungsvolle Weise mit anderen zu verbinden und uns an Orte zu führen, an denen wir noch nie waren. Das Gleiche gilt für unsere Katzen. Die Gerichte von Gatto Bianco sind hergestellt, so dass Katzenbesitzer verstehen können, wie ihre Katzen Essen wahrnehmen – vom Geschmack über die Konsistenz zur Form“. So wirbt die Trattoria „Weiße Katze“ in New York City für sich, hinter der sich Fancy Feast verbirgt, Hersteller von Gourmetkatzenfutter („Für die Katze mit erlesenem Geschmack“). Reservierungen waren vom 4. August an möglich und die 16 täglich zur Verfügung stehenden Plätze sofort ausgebucht, denn wer möchte sich nicht an einen Ort führen lassen, an dem er noch nie war. Glauben Sie im Ernst, Ihr Kater treibt sich des nachts nur in Nachbar M.s Garten und nur mit Mimi M. rum, wenn drei Straßen weiter bei den Corleones Kitty C. wohnt?

Ins Gatto Bianco können Sie Ihren Liebling freilich heute Abend zum Internationalen Tag der Katze nicht ausführen, um gemeinsam mit ihr oder ihm Mäusegeschnetzeltes in Rahmsoße, Spatz au vin oder Amselschenkel toskanische Art zu genießen. Oder haben wir da etwas missverstanden? Die Einladung betraf nur Menschen? Denen wird weder Maus noch Spatz serviert?

Zurecht fühlt sich da jede Katze/jeder Kater diskriminiert. Als ob die Familie der Felidae nicht für ihre ausgezeichneten Tischmanieren bekannt wäre. Okay, vor dem Dinner muss es einen (seltsamerweise vom Menschen in der Regel nicht geschätzten) Showteil geben, so ein panisches Mäuschen quietscht zu drollig. Aber am Ende bleibt meist nur die Galle übrig, die schließlich eine kulinarische Zumutung ist.

Apropos Zumutung. Es gibt immer mehr Menschen (wahrscheinlich Hundefreunde, die auch noch stolz darauf sind, dass ihr Bello, dieser Schlappschwanz, klaglos bei Fuß geht), die finden, Katzen sollten wegen des Vogelschwunds drinnen bleiben müssen, jedenfalls im Frühling und Sommer. Statt dass diese (angeblich) Homini sapiens Ausdauer und Geschicklichkeit eines Mittieres bewundern, das trotz sinkenden Angebots immer noch ein Schnäppchen macht.

Katzen müssen jetzt stark sein, sind sie doch schwer unter Druck. Bloß weil sie auf mehr als 60 Prozent der Tierbilder im Internet zu sehen sind, „verstopfen“ sie dieses angeblich und es wird testweise bereits ein katzenfreier Internetzugang angeboten: „Dem Gros der deutschen Online-Surfer würde ein Wegfallen dieser Angebote gar nicht auffallen“, heißt es. Skandal. Und, last but not least, es schmilzt auch der Vorsprung in Sachen sieben Leben: Gerade ist es US-Forschenden gelungen, Schweine (ein bisschen) wieder zum Leben zu erwecken. Das kann eine Katze nur als Affront verstehen.

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