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Times Mager

Elf Meter

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Um auf einen Schuss von diesem, wie es oft heißt, ominösen Punkt zu reagieren, braucht es für den Willensruck in etwa den milliardensten Teil einer Sekunde. Von Christian Thomas

Seit langem schon hat sich der Mensch daran gewöhnt, dass der eine oder andere Gegenstand regelrecht zu wachsen scheint, sobald er nur ein wenig näher angeschaut wird. So ergeht es dem Menschen, der, in Erwartung eines Elfmeters, alles unternimmt, um seinen Kasten sauber zu halten. Da wächst dann der Kasten, jedenfalls aus Torwart-Sicht. Da aber vieles in der Welt so eingerichtet ist, dass vieles relativ ist, ist auch das Wachstum kein Gesetz, so dass wiederum aus der Perspektive des Schützen sich das Tor enorm verkleinert.

Solche Gedanken gehen Tormann und Elfmeterschützen durch den Kopf mit einer Geschwindigkeit, dass man nicht nur metaphorisch davon sprechen darf, dass sie durch den Kopf schießen. Das menschliche Gehirn, auch das wissen wir aus der Hirnforschung, ist zweifellos sehr konservativ, gleichzeitig aber ist es extrem erregungsbereit. Elf Meter! Um auf einen Schuss von diesem, wie es oft heißt, ominösen Punkt zu reagieren, braucht es für den Willensruck in etwa den milliardensten Teil einer Sekunde.

Physikalisch betrachtet, steht der Torwart aber weiterhin vor einem Problem. Reicht doch keines seiner Körperteile rechzeitig heran an einen stramm ins Eck getretenen Ball. Der Ball, dieser wirklich ominöse Punkt, ist in der Luft einfach nicht lange genug unterwegs. Er verbraucht zu wenig Zeit, er vernichtet Raum wie nichts, es sei denn, und so erging es soeben einem L. Podolski, der Luftwiderstand, der sich vor dem Ball staute, war sehr groß.

Mag sein, dass dieses Problem, das physikalisch wirkt, psychologische Ursachen hat. Denn auch wenn der Torhüter vermeintlich stoisch auf der Linie kauert - sollte es sich bei ihm um einen echten Elfmetertöter handeln, hilft es dem Schützen gar nichts, wenn ihm in dem Moment, in dem er anläuft, durch den Kopf geht, dass sein Kontrahent, in der Mitte des Tores, in Zentralperspektive verharrt, jetzt mal ästhetisch gesprochen.

Für den Schützen bedeutet diese Einsicht keinerlei Erleichterung, ganz im Gegenteil. Denn wie so oft in der Welt, wächst, wo die Künste ins Spiel kommen, die Pulsfrequenz, steigt die Erwartung. Auch kommt es zum Schock.

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