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Metaphorische Offensive

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Von: Stephan Hebel

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Aus der Metaphermühle: "schmutzige Wäsche waschen"
Aus der Metaphermühle: "schmutzige Wäsche waschen" © imago

Was haben Senta Berger und eine TV-Journalistin mit kalten Füßen zu tun? Jedenfalls gemeinsame Sprachbilder.

Kürzlich kam samstags beim Fernsehen die Frage auf, ob man mit kalten Füßen Wäsche waschen kann. Das kann man selbstverständlich, sogar Handwäsche. Es ist sicher nicht schön, aber es spricht nichts dagegen, dass es geht. Warum die Frage beim Fernsehen aufkam? Dazu gleich mehr. Für Sensibilisierung hatte jedenfalls schon am Nachmittag der Satz „Hannover steht tief, und die Mainzer werfen alles nach vorn“ gesorgt. Dazu muss erwähnt werden, dass es keineswegs um ein Karnevals-Hochburgen-Ranking ging, sondern um Fußball.

Wer mit der automatisierten Metaphernmühle der Live-Berichterstattung nicht vertraut ist, den wird es auch nicht trösten, dass Hannover immer noch hoch genug stand, um das Spiel am Ende durch den „Dreierpack“ eines Herrn „Füllkrug“ zu gewinnen. Wahrscheinlich lag es daran, dass die Mainzer hinten offen waren, aber es hatte vor dem Schlusspfiff geklingelt, was jetzt nicht heißt, dass ein Tor fiel (das auch), sondern halt an der Tür.

Man sieht, der Journalismus steht manchmal nicht zu Unrecht unter Verdacht. Jetzt nicht wegen „Lügenpresse“, sondern wegen eines gewissen Hangs zur metaphorischen Offensive, die nicht selten statt mit einem Treffer mit einem Schuss in den Ofen (Metapher!) endet.

Später folgte ein Kriminalfilm aus der großartigen Serie „Unter Verdacht“ mit Senta Berger. Es kam dort auch eine Journalistin vor, und sie erbrachte endgültig den Beweis, dass das Scheitern am Sprachbild inzwischen von Außenstehenden zum gängigen Handwerkszeug dieses Berufsstandes gezählt wird.

Lassen wir die eigentliche Handlung mal beiseite (auch das ist ja eines der edelsten Handwerkszeuge des Journalismus), so bleibt doch festzustellen, dass die Kollegin im Film weder zu den richtig Bösen gehörte noch zu den schmierigen Boulevard-Gestalten, die uns sonst im Film als Vertreter der „schreibenden Zunft“ (Autsch!) vorgeführt werden. So ganz ohne einen leisen Hang zur Ungepflegtheit ging es zwar auch diesmal wieder nicht, aber immerhin verfügte die Rolle über eine gewisse Seriosität, und das ist ja auch schon mal was.

Jedenfalls ging es um irgendeinen Typen, der irgendwelche anderen Typen durch die Verbreitung gewisser Informationen auffliegen lassen wollte und deshalb bei der Journalistin vorgesprochen hatte, sich dann aber offenbar doch nicht traute. Was aber sagt die Journalistin, ohne dass Senta Berger als Kommissarin erkennbare Schmerzen leidet? „Er wollte schmutzige Wäsche waschen, hat dann aber kalte Füße bekommen.“

Vielleicht stand er zu tief, um alles nach vorne zu werfen.

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