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Times Mager

Mauern

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Klassisch Griechisches steht auf dem Programm: Prometheus, Medea, Antigone. Frank Castorf lässt in einem von Bert Neumann errichteten Holzprovisorium unter freiem Himmel spielen. Von Harry Nutt

Von der Münzstraße kommend, sieht das hölzerne Amphitheater vor der Berliner Volksbühne wie eine Mauer aus. Während das trutzige Theater in Berlin-Mitte restauriert wird, lässt Frank Castorf in einem von Bert Neumann errichteten Holzprovisorium unter freiem Himmel spielen.

Die Mauerassoziation ist eine Täuschung. Klassisch Griechisches steht auf dem Programm: Prometheus, Medea, Antigone. Wenn man aus dem Innenraum des hölzernen Runds herauszublicken versucht, wird man vom freien Himmel überwältigt. Ein kühler Wind - Summer in the City. Doch die Szene der Freiheit ist ebenfalls eine Täuschung. "Who let the dogs out?", steht auf der Außenwand der Bühne. Eingeschlossen/ausgeschlossen. Die mit den Zeichen spielen, erzeugen immer neue Konstellationen des Hinein- und Herausdrängens, des Dabeiseins und des Wegdriftens. "Who let the dogs out?" ist ein Song von Anslem Douglas, ursprünglich aufgenommen für den Karneval des Jahres 1998 von Trinidad and Tobago. Aber sind es streunende Tiere oder abgerichtete Wachhunde?

Fasziniert schaut man dieser Tage auf die Demonstrationsbilder aus Teheran, wo - so oder so - eine Umwertung der Islamischen Revolution von 1979 vorgenommen wird von Demonstranten, die 1979 nicht oder gerade erst geboren waren. Es ist eine Revolution mit ungewissem Ausgang. Während das verunsicherte Machtsystem versucht, den elektronischen Nachrichtenfluss zu kontrollieren und zu beschränken, drängen die Massen auf den Straßen ins Innere der Gesellschaft. Der Geist von 1979 sieht sich einer identitätspolitischen Eruption der Nachgeborenen gegenüber. Die Ereignisse des Sommers 2009 in Teheran sind zu allererst das Ergebnis einer demographischen Revolution.

In Berlin-Mitte und an seinen Rändern hat man die Bilder davon. Das nah gelegene Babylon-Kino kündet in beweglichen Lettern vom letzten Sommer der DDR, so der Titel einer vierstündigen Dokumentation, in der mit bekanntem und unbekanntem Bildmaterial das Ende der DDR noch einmal ganz neu dramatisiert wird. Der Rosa-Luxemburg-Platz am 17. Juni 2009. Alles muss immer wieder neu erzählt werden.

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