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Schamlos kopulierende Käfer. 

Times mager

Mattenrand

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Einige Gedanken bei der, gefühlt, 341. Balkonpflanzeninspektion heute. Und es ist erst 10.41 Uhr.

Die Müllabfuhr fährt wie immer schon um kurz vor sieben durch die Straße und macht den üblichen dumpfen Rumpellärm. Nicht im Traum, schon gar nicht im rüde unterbrochenen Traum (damals, als der Nachbar die Sperrmüllabfuhr bestellt hatte und diese am Samstag um, ungelogen, 5.57 Uhr kam), hätte sich der jäh zum Einzeller gewordene Mensch vorgestellt, dass er Tonnenrumpeln und -pumpeln in aller Herrgottsfrüh jemals tröstlich finden könnte. Und anstößt (mit Kaffee, was dachten Sie denn?) auf die tapferen Müllmänner. Apropos Herrgottsfrüh: Über was werden wir uns am kommenden Sonntag aufregen, wenn wir eine Stunde verlieren, aber für dieses Mal freiwillig, wenn nicht sogar gern hundertfach Stunden hinterschieben würden? Zeitumstellung bis, hm, Ende April vielleicht? Und im Herbst erhalten wir alles zurück. Deal?

Der Wohnungsnachbar scheint handwerklich begabter zu sein, als wir ihm je zutrauten. Gestern sägte er, heute schleift er. Oder jedenfalls klingt es so. Der traut sich was, wo ihm doch klar sein muss, dass er ringsum Leuten auf die Nerven geht, die gewohnt sind, sich von Kolleginnen und Kollegen hochprofessionell auf die Nerven gehen zu lassen. Und jetzt ein Amateur. Gern würden wir seine Wohnung sehen, hinterher.

Zur Entspannung erst mal die, gefühlt, dreihunderteinundvierzigste Balkonpflanzeninspektion heute – und es ist erst 10.31 Uhr. Hat sich die Pfingstrosenknopse, äh, -knospe wieder 0,04 Millimeter mehr geöffnet? Sind die winzigen hellgrünen Hibiskustriebe um 0,007 Millimeter gewachsen? Und sind die Läuse schon im Anmarsch, die den Hibiskus später im Jahr zum bevorzugten Wohngebiet machen? Moment, da zappelt was: Uns unbekannte Käferchen kopulieren schamlos am Rand der Fußabstreifmatte. Allerdings: Würde es die Sache besser machen, wüssten wir die Käferart zu bestimmen?

Apropos schamlos: Geht es Ihnen auch so, dass die üblichen Sie-haben-gewonnen-Sie-sind-die-Auserwählte-Mails plötzlich eine ironische, fast schon lustige Seite bekommen? Weil zum Beispiel ein „Herr Bernard“ just schreibt: „Grüße, es ist mir eine Freude, Sie wissen zu lassen, dass Ihre Währungssorgen bald vorbei sein werden.“ Herr Bernard hat nur für Frau Feuilleton und ein paar handverlesene (na, hoffentlich nicht!) andere „hier in den USA eine Kreditfazilität“ und kann Geld „für Autokäufe und Reisen“ bereitstellen. Herr Bernard scheint sich schon vor der Zeitumstellung mit der Zeit und ihren augenblicklichen, nennen wir es Veränderungen schwerzutun. Herr Bernard hinkt dem Betrugstrend so offensichtlich hinterher, dass er uns fast schon wieder ein bisschen leidtut.

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