Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Times Mager

Mathe

Euklid, Geometrie, Idiot. Diese drei Worte schrieb ein Lehrer in Frank McCourts Roman an die Tafel. Gedanken zur Einschulung.

Frank McCourt, der vor gut einem Jahr starb, wäre heute 80 geworden. In dem Roman, in dem er seine von bitterer Armut geprägte Kindheit in Irland und den USA schildert und der ihn mit 66 Jahren, Ironie des Schicksals, reich und berühmt machte, kommt der Lehrer O’Neill vor. Der Lehrer O’Neill schreibt am ersten Schultag nach den Ferien drei Wörter an die Tafel: Euklid, Geometrie, Idiot. Die Wörter sollen bis Schuljahresende dort stehen. Mr. O’Neill will damit sagen: Wer den Satz von Euklid nicht versteht, ist ein Idiot. In gewisser Hinsicht ist das aufmunternd gemeint. Man soll kein Idiot sein wollen und sich redlich bemühen, den Satz von Euklid zu verstehen.

Der Satz von Lehrer O’Neill indes, besser gesagt die Hauptwörter des Satzes lesen sich merkwürdig am Tag nach der großen Einschulung. Ein blasser Junge eilte mit Eltern und Zuckertüte die Straße entlang – die Zuckertüte war so groß wie die Eile, und schon griff die Mutter nach dem lustig beklebten Pappstück, damit es schneller ging, und schon griff der Vater aus demselben Grund nach dem Kind –, um an dem ersten Schultag seines Lebens offensichtlich zu spät zu kommen. Man hörte auch von einem Kind, dem die Mutter bei der Schulfeier furchtbar eine runterhaute. Die anderen Anwesenden seien starr vor Entsetzen gewesen, hieß es. Immerhin.

So behält das Leben der kleinen Kinder seinen Schrecken auch ohne den Lehrer O’Neill. Dabei sollen sie vielmehr bitte mit dem unmöglichen Spielzeugmonster spielen, das sich hoffentlich in ihrer Zuckertüte befand und das sie schon in wenigen Jahren ebenfalls unmöglich finden werden. Und sie sollen als erste Hausaufgabe ihre Lebens Abbildungen von Zuckertüten bunt ausmalen. Meinetwegen sollen sie gut zuhören, wenn Oma vom mickrigen Zuckertüteninhalt der Nachkriegsnot erzählt. Dann aber sollen sie ihr Apfelsaftglas gegen das Sektglas der Erwachsenen dotzen und sich feiern lassen.

Die Mütter dürften unterdessen bereits darüber sinnieren, was noch gleich der Satz von Euklid war. Mr. O’Neill spricht wenige Seiten später von der Einsamkeit jener, die Euklid lieben. Das aber wollen wir doch alles die Sorgen der Erwachsenen sein lassen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare