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Maske

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Von: Judith von Sternburg

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Die Maske macht den Mensch attraktiv.
Die Maske macht den Menschen attraktiv. © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Eine britische Studie verblüfft: Menschen finden Menschen mit Masken attraktiver als ohne. Die Ethnologie ahnte das schon.

Die Ethnologie ist vielen Verdachtsmomenten ausgesetzt, andererseits zeigte die Leiterin des Weltkulturen Museums Frankfurt, Eva Raabe, schon vor bald zwei Jahren im FR-Interview eine gute Übersicht: „Auch mit einer Maske wird man viel zum Ausdruck bringen können, sobald die Hürde der Ablehnung genommen ist. (...) Maskenträger werden künftig die sein, die Sozialität zeigen, Respekt vor der Gemeinschaft.“ Damals wir so: hm, ja, echt?

Was die Ethnologie also bereits kommen sah, haben jetzt auch die von ihr aufmerksam beäugten (!) Menschen verinnerlicht. Frauen haben in einer von der Universität in Cardiff vorgenommenen Untersuchung Männer, die eine Maske trugen, deutlich attraktiver gefunden als Männer ohne Maske. Oder Kontrollgruppen-Männer mit einem Buch vor Nase und Mund – dies um auszuschließen, dass es einfach an der Hässlichkeit dieser Partie an sich gelegen haben könnte. Allein der menschliche Mund: Wäre man ein Wesen von einem anderen Stern, man müsste schreiend weglaufen vor Grausen. Menschen hingegen sind daran gewöhnt, mögen sogar die Münder der anderen, wollen sogar ihre Münder aneinanderlegen. Grundgütiger. Und müssten nicht Männer mit Buch vor der Nase immer die attraktivsten sein?

Darum geht es hier aber nicht. Noch 2016 wurden bei einer ähnlichen Untersuchung die Personen mit dem Mundschutz als weit unattraktiver eingeschätzt. Wer eine Maske trug, schien krank zu sein. Jetzt schnitt am besten die OP-Maske ab, am zweitbesten der Mundschutz aus Stoff, am schlechtesten das Gesicht ohne Maske. Wir haben schon die Ethnologin dazu gehört. Das Forscherteam in Cardiff macht ferner darauf aufmerksam, dass Augenpartien oft ebenmäßiger sind als Nasen-, Mund- und Kinnpartie, räumt aber ein, dass das vor fünf Jahren auch schon so war.

Auch B. erklärt privat, dass sie eine gut sitzende Maske geradezu unwiderstehlich finde. Heute, so B., komme ihr nur jemand lächerlich vor, bei dem die Nase oben rausstehe. Dies wurde in Cardiff nicht untersucht, ist vermutlich auch nicht notwendig.

Im Zug allein auf weiter Flur. Aber brav mit FFP2-Maske, in diesem Moment eher doch Gehorsam als Evolution. Andererseits wird Anpassung in diesen Tagen etwas zu wenig mit evolutionären Vorgängen in Verbindung gebracht. Die Zugbegleiterin euphorisch: Endlich jemand, den sie nicht bitten müsse, die Maske richtig aufzusetzen. Es wäre eine nette Begegnung gewesen, wenn der Zug nicht schamlos verspätet gewesen wäre, sie also anderthalb Stunden früher stattgefunden hätte. Die Zeit: Ständig ändert sie alles.

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