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Hätte er doch Konfitüre gesagt, der Frosch. Nun ist es um ihn geschehen.

Times mager

Marmelade

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Warum die Marmelade inzwischen Fruchtaufstrich heißen muss. Aber erzählen wir lieber noch einen Breitmaulfroschwitz.

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Ein ganz normaler Frosch trifft einen Breitmaulfrosch. Der Frosch möchte wissen, wie man zu einem so breiten Maul kommt. „Nun“, sagt der Breitmaulfrosch, „du musst ganz oft ‚Marmelade‘ sagen.“ Nach einer Weile treffen sich die zwei Frösche wieder. Der Breitmaulfrosch stellt fest: „Du hast ja immer noch kein richtig breites Maul.“ „Na ja“, antwortet der ganz normale Frosch, „mir ist das Wort nicht mehr eingefallen, mit dem ich mein Maul breit bekommen sollte. Da hab’ ich halt ‚Konfitüre‘ gesagt.“

„Marmelaaaade“ war einst das Wort der Wahl fürs Gruppenfoto, und garantiert sagte ein Scherzkeks dann mit spitzem Mund „Konfitüüüre“. Das Angebot von Toast und Marmelade klang der Studentin angenehm vertraut beim allerersten Frühstück auf englischem Boden – allerdings lernte sie auf die bittere Tour: Die britische Marmelade wird aus Zitrusfrüchten hergestellt. Sie merkte sich für künftige Urlaube das Wort Jam, zu Hause kochte Oma immer noch Erdbeer- und Marillenmarmelade ein und alles war gut.

Heute gibt es die EU-„Verordnung über Konfitüren und einige ähnliche Erzeugnisse (Konfitürenverordnung – KonfV)“, nach der – im gewerblichen Bereich – Fruchtaufstrich oder Konfitüre heißen muss, was nicht aus Zitrusfrüchten besteht. „Marmelade ist die streichfähige Zubereitung aus Wasser, Zuckerarten und einem oder mehreren der nachstehenden, aus Zitrusfrüchten hergestellten Erzeugnisse: Pülpe, Fruchtmark, Saft, wässriger Auszug, Schale. Die für die Herstellung von 1.000 g Enderzeugnis verwendete Menge Zitrusfrüchte beträgt mindestens 200 g, von denen mindestens 75 g dem Endokarp entstammen.“ Ah, Verordnungspoesie! Sie war in diesem Fall der Tod der Erdbeer- und Himbeermarmelade, obwohl das etymologische Wörterbuch weiß: „Marmelade f. eingedickter, süßer Brotaufstrich aus Obst oder Beeren, ‚Fruchtmus‘, Übernahme (16. Jh.) von port. marmelada bzw. darauf beruhendem mfrz. mermelade, frz. marmelade.“

Erzählen wir lieber noch einen Breitmaulfroschwitz.

Ein Breitmaulfrosch badet nach dem Frühstück – Marmelaaadenbrot! – im See. Stakt ein Storch heran. Fragt der Frosch: „Was machst’n da?“ „Ich suche nach Breitmaulfröschen“, antwortet der Storch, „damit ich sie besser fressen kann.“ „Die gibt’s hier nicht“, sagt der Frosch. „Dann sag doch mal Marmelade“, so der Storch.

„Fruchtaufstrich.“ – Der Storch hat das Wort noch nie gehört und wundert sich zu Tode. Der Breitmaulfrosch ist gerettet und mampft Marmeladenbrote, bis er an Altersschwäche stirbt.

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