1. Startseite
  2. Kultur
  3. Times mager

Markenzeichen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Sylvia Staude

Kommentare

Lässig, wie die Berliner sind, haben sie einst dem amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy gestattet, sich einen Berliner zu nennen.
Lässig, wie die Berliner sind, haben sie einst dem amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy gestattet, sich einen Berliner zu nennen. © imago stock&people

Was, wenn in Großbritannien demnächst ein Lebensmittelhändler namens „Frankfurt Foods“ eröffnet? Klein-Berlin droht. Oder, schlimmer, BER.

Frankfurter Würstchen, das hat sich mittlerweile rumgesprochen, werden vor allem im benachbarten Neu-Isenburg hergestellt. Aber man hat noch nicht davon gehört, dass die Neu-Isenburger ihre Würstchen Neu-Isenburger nennen wollen, noch hat die Stadt Frankfurt ein Gerichtsverfahren angestrengt, um den Neu-Isenburger Metzgereien zu verbieten, ihre Würstchen fürderhin „Frankfurter“ zu nennen.

Allerdings hat man 1929 sehr wohl einer Berliner Firma verboten, ihre Berliner Würstchen Frankfurter zu nennen. Was sich von selbst versteht, denn nennen die Frankfurter etwa ihre Kreppel Berliner? Sie nennen sie eben Kreppel, anderswo heißen sie Krapfen; das Vorrecht der Berliner, ihre Berliner in Berlin Berliner zu nennen, bleibt also unangetastet. Lässig aber, wie die Berliner sind, haben sie einst dem amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy gestattet, sich einen Berliner zu nennen. Andererseits hoffen sie darauf, den Namen Berlin Brandenburg Airport (BER) irgendwo auf der Welt loszuwerden, vorzugsweise als Name für eine gänzlich unbewohnte Insel im Nordpolarmeer.

Londoner Rundschau oder Reykjavik-Rundschau?

Wir rücken unserem eigentlichen Thema näher. Denn in diesen Tagen war zu lesen, dass Island – also die Insel – die britische Supermarktkette Iceland Foods verklagt. Diese hat sich den Markennamen „Iceland“ – englisch für Island – schützen lassen und ging in der Folge schon einige Male (mit Erfolg!) gerichtlich gegen isländische Erzeuger vor, die Produkte aus Island auf Englisch unter anderem damit bewarben, dass sie nun mal aus Iceland kommen. Man stelle sich vor: Demnächst könnte in Großbritannien ein Lebensmittelhändler namens „Frankfurt Foods“ eröffnen – und bald dürfte sich Frankfurt nicht mehr Frankfurt nennen, sondern wäre, zum Beispiel, auf die Großzügigkeit der Berliner angewiesen, um sich von nun an Berlin II oder Klein-Berlin zu nennen. Da bliebe den Frankfurter zwecks Bewahrung eines Reststolzes doch nur, auf ihren seit langem ordnungsgemäß in Betrieb befindlichen Flughafen zu verweisen.

Die isländische Regierung könnte vielleicht gegen „Iceland Foods“ anführen, dass, wer sich so nennt, wenigstens traditionelle isländische Gerichte im Sortiment haben muss. Also etwa gekochte Schafsköpfe, monatelang fermentierten Hai, Hammelhoden in Molke, sauer eingelegte Robbenflossen.

Wir lassen uns übrigens, falls es mit Frankfurt zum Äußersten kommt, schon mal den Namen Londoner Rundschau schützen. Obwohl: Reykjavik-Rundschau wäre, schon wegen des Stabreimes, auch nicht schlecht.

Auch interessant

Kommentare