Menschen sind so was von schwer von Begriff.
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Menschen sind so was von schwer von Begriff.

Times mager

Mann beißt

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Gern sieht der Mensch im Tier den Menschen. Das kann zu Manchem führen.

Eine Wildsau, die sich am Berliner Teufelssee mit einer Plastiktüte, darin ein Laptop, davonmachen wollte, erregte kürzlich mediales Aufsehen – beziehungsweise wohl eher der nackte Mann, der ihr hinterherlief. Er wollte seinen Laptop zurück, das kann man verstehen; denn anders als zum Beispiel ein Schinkensandwich hätte das Gerät noch nicht einmal zur Ernährung der beiden Frischlinge beitragen können, die die Sau bei sich hatte. Andererseits: Vielleicht galt ihre mütterlich-kriminelle Energie ja doch diesem Blechteil, vielleicht hatte sie aus den Büschen beobachtet, wie ein nacktes, aber gut genährtes Mit-Lebewesen darauf herumtippte und bald ein Pizza-Lieferant ankam, der eine Margarita, eine Quattro Stagioni und eine Portion Spaghetti Carbonara übergab. Da zählte die Sau zwei und zwei zusammen.

Es heißt, dass der Mensch gar nicht anders kann, als das Verhalten von Tieren anthropomorph zu interpretieren, also nach seinem Vorbild. So glaubt er, dass seine Katze ihm ein Geschenk macht, wenn sie ihm eine tote Maus zu Füßen legt. Dabei möchte die Katze das dürre Mäuschen nur gegen ein Schinkensandwich (minus Sandwich) tauschen. Und holt der Hund das Stöckchen etwa x-mal, weil er spielen will? Nein, er hat bloß noch nicht rausgefunden, wie er Ihnen seinen Wunsch nach einem Fitness-Tracker begreiflich machen soll. Menschen sind so was von schwer von Begriff.

Aber sind sie das tatsächlich? Es gibt neuere Forschungsergebnisse, wonach das Gehirn des Menschen nicht nur aus Selbstbezogenheit antropomorph funktioniert, sondern gute Gründe dafür hat. Weil nämlich der Mensch einige mentale und Verhaltens-Grundlagen mit anderen Tieren teilt. Weil außerdem die sogenannten Spiegelneuronen unabhängig davon in Aktion zu treten scheinen, ob wir einem Menschen, Affen oder Hund zum Beispiel dabei zusehen, wie er beißt. (Allerdings: kommt es nicht vor allem darauf an, was bzw. wer da gebissen wird? Es besteht doch ein Unterschied zwischen einer Banane, einem Briefträger und einem Hund, der von einem Mann gebissen wird. Letztere landen außerdem in der Zeitung.)

Mit Tränen hat sich eine weitere Untersuchung beschäftigt. Den Versuchstieren wurde „Love Story“, „Titanic“ oder „Winnetou 3“ vorgeführt – okay, hier schwindelt das Times mager ein bisschen, es war natürlich „Free Willy“, „Bambi“ oder „Zurück nach Hause“. Die Tränchen der Vogel- und Reptilienzuschauerinnen stellten sich dann als ganz ähnlich zu menschlichen Tränen heraus.

Aber Moment: Vögel? Reptilien? Nur? Unsere Katzen und Hunde werden sehr traurig sein, und wir werden wieder einmal nichts kapieren.

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