+
Bubbles der Schimpanse.

Times mager

Der malende Schimpanse

  • schließen

Wasserfarbe auf Segeltuch: Es ist das Bunte, das ihn treibt. Seine Werke werden jetzt für 750 Dollar pro Stück verkauft.

Was bei der Betrachtung dieser Bilder sofort ins Auge drängt, ist der pastose Farbauftrag. Mit entschlossenem Strich auf die Leinwand gebracht, nehmen zumeist Gelb und Orange furchig den Untergrund in Beschlag, um annähernd die ganze Fläche zu füllen. Kaum einen Quadratzentimeter verschenkt der Künstler; Weißraum spielt in seinen ästhetischen Erwägungen keine gestalterische Rolle. Es ist das Bunte, das ihn treibt, das Feuer der Leidenschaft, die Freude am Tun.

In „Untitled (2017)“, Wasserfarbe auf Segeltuch, vermeint der Adressat kurz Gegenständliches zu erkennen. Ganz klein nur, dem Werk untergeordnet – ein Ohr, da rechts im gelben Gemenge? Und unten: etwa ein Fuß?

Doch nein, die Darstellung solch profan-alltäglicher Anatomismen, sie ist es nicht, um die sich der ins Schaffen vertiefte Künstler bemüht. Das wird auch in sämtlichen weiteren der insgesamt fünf Gemälde deutlich, die er jüngst, entgegen seiner vormaligen Philosophie, an Kunstfreunde verkaufen ließ. Allesamt schiere Explosionen der Farbigkeit, Ausdruck innerer Fulminanz – vielleicht auch Verarbeitung traumatischer Erlebnisse? Und davon gab es sicherlich genug in der Vita des Malers.

Geboren 1983 in Austin, Texas, im Tierkreiszeichen des Stiers, sofort von der Mutter getrennt, verbrachte er den größten Teil seines Lebens an der Seite eines reichen Mäzens. Der auf Rosen gebettete Mann von Weltruhm nahm den Gefährten schon in sehr jungen Jahren mit auf seine Reisen rund um die Welt. Er ließ ihn in seinem Bett schlafen und lehrte ihn einen Tanz, den die beiden aufeinander fixierten Sonderlinge fortan überall aufführten, den sogenannten Moonwalk. Oft tranken sie Tee zusammen oder sahen sich Filme im eigenen Kino auf der Ranch im Nimmerland an.

Doch es kam eine Zeit, da wuchs im Jüngeren der beiden Kameraden, Bubbles mit Namen, eine gewisse Aggression – eine naheliegende Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation, betrachtet man seine Herkunft. Bald trennten sich ihre Wege; der Mäzen gab seinen Gefährten zurück in die Obhut des Mannes, der ihn einst lehrte, und später bezog Bubbles eine Unterkunft im Center for Great Apes in Wauchula, Florida.

Es ist nicht völlig außergewöhnlich, dass Schimpansen malen. Eher selten erzielen sie für ihre Werke jedoch Verkaufserlöse von 750 Dollar pro Stück, so wie Bubbles jetzt in Miami. Dafür muss man schon 20 Jahre lang die Muse von Michael Jackson gewesen sein. Die Einnahmen der Kunstauktion sollen helfen, das Los der Menschenaffen zu lindern. Wahrscheinlich wäre es schon ein großer Schritt in die richtige Richtung, wenn sie künftig kein King of Pop mehr adoptierte.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion