Mit roten Schuhen zu stolpern, ist praktisch unmöglich, logisch.
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Mit roten Schuhen zu stolpern, ist praktisch unmöglich, logisch.

Times Mager

Magie

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Achtung: Der richtige Umgang mit den größeren und kleineren Fährnissen des Alltags will gelernt sein.

Kein vernünftiger Mensch wird beispielsweise ohne Not an einem Freitag den 13. auf dem Rand des Bärengeheges balancieren. Das hieße, das Schicksal herausfordern. Ebenso versteht es sich von selbst, beim Verlassen der Wohnung die kleine Putzdelle zu berühren, auf Kachelboden nicht ohne Not mit den Zehen auf die Fugen zu kommen oder die erste Kastanie des Herbstes den Winter über in der rechten Manteltasche mit sich zu führen. Oder die Lieblingsmannschaft beim Mittagessen vor dem Spiel nicht mehr zu erwähnen. Erwiesenermaßen ist es ferner zweckmäßig, an einem solchen Tag ein rotes Gemüse zu servieren (Rotkraut, rote Beete, Tomaten, behelfsweise Radieschen oder Karotten), sich von der linken Seite kommend an den Esstisch zu setzen und auf den Espresso danach zu verzichten.

Andere haben die Erfahrung gemacht, dass sie gerade an solchen Tagen einen Espresso nach dem Essen trinken sollten. Zwei Espressos. Das heißt natürlich Espressi, ist das doch letztlich die einzige Stelle, an der freundliche italienische Wirte, denen nichts Lehrerartiges anhaftet, nicht anders können, als es noch einmal richtig zu wiederholen. Das italienische Lokal wird man vorausschauend mit einer Pudelmütze auf dem Kopf, der Italienisches-Lokal-Pudelmütze betreten haben. Das nur am Rande, es versteht sich von selbst.

Der richtige Umgang mit den größeren und kleineren Fährnissen des Alltags will gelernt sein, aber viele davon lassen sich bannen, man muss nur wissen wie.

Banaler war jüngst der Vorfall, bei dem unsereiner die Treppe herunterfiel. Dies geschah beim Heraustragen eines Wäschekorbes, gefüllt mit Büchern. Eines der Bücher, so ist anzunehmen, fiel aus dem Korb und war ein böses Hemmnis für den Fuß, zumal die Sicht hinter einem Bücherwäschekorb sehr eingeschränkt ist.

Ein Wäschekorb mit einem Berg von Büchern? Aber wieso das denn? Steht ein Umzug bevor? Nein, nein, gar nicht. Es handelte sich um eine sogenannte Bücherreduzierungsaktion. Was soll das heißen, Bücherreduzierungsaktion? Soll das etwa heißen: HIER WURDEN BÜCHER WEGGEWORFEN? Das wäre eine verkürzte, sehr verkürzte Darstellung der Umstände, aber die Richtung stimmt wohl.

Noch am selben Tag kamen diskrete Hinweise darauf, es könnte sich bei dem Vorfall um einen Racheakt der verzweifelten Bücher gehandelt haben. Das ist aber Humbug. Es war offensichtlich ein ganz ordinärer Haushaltsunfall. So was kommt vor, das hat mit Magie nichts zu tun. Allerdings werden wir beim nächsten Mal die roten Schuhe anziehen. Mit roten Schuhen zu stolpern, ist praktisch unmöglich, logisch.

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