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Das Manu- bzw. Typoskript wurde, wie Sie vielleicht wissen, per Rohrpost in die Setzerei expediert, und die ganz Alten erinnern sich, wie die Überschriften per Hand aus bleiernen Buchstaben geformt wurden.
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Das Manu- bzw. Typoskript wurde, wie Sie vielleicht wissen, per Rohrpost in die Setzerei expediert, und die ganz Alten erinnern sich, wie die Überschriften per Hand aus bleiernen Buchstaben geformt wurden.

Times mager

M

  • Stephan Hebel
    vonStephan Hebel
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Zählen Sie mit: S-c-h-r-e-i-b-m-a-s-c-h-i-n-e. Ziemlich viele Buchstaben. Wird bereits eng, wenn man sie in einer einspaltigen Überschrift auf einer Zeitungsseite unterbringen muss.

Wahrscheinlich denken Sie, das mit den Buchstaben sei eine sehr simple Sache: Wir machen Wörter draus, aus Wörtern werden Sätze und aus Sätzen Texte, dann rasch ein Titel drüber, fertig. Wer so denkt, hat noch nie versucht, einen zweispaltigen Artikel über eine Ministerin namens Leutheusser-Schnarrenberger mit einer Überschrift zu versehen.

Früher – ehrlich gesagt, viel früher – war es so, dass der Titel ebenso wie der Text auf einem Gerät verfasst wurde, das vollkommen übertrieben „Schreibmaschine“ hieß und in Wirklichkeit nur aus einem Mechanismus bestand, mit dem die Buchstaben per Tastendruck über ein Metallgestänge und ein Farbband auf Papier gewuchtet wurden.

Wie viele Buchstaben in eine zweispaltige Überschrift mit einer Schriftgröße von 24 Punkt passen, stand auf einem Merkzettel, es waren jedenfalls weniger, als Sie und ich für einen anständigen Titel unter Verwendung der Begriffe „Ministerin“, „Leutheusser“ und „Schnarrenberger“ eigentlich brauchen.

Das Hauptproblem bestand im „M“, denn das „M“ war sehr breit und ist es bis heute. Generationen von Journalistinnen und Journalisten wussten und wissen, dass es schöner ist, wenn irritierte Intellektuelle eine intelligente Illustrierte gründen, als wenn mürrische Müllmänner modernde Möhren müffeln. Im letzten Fall nämlich wäre zu titeln „Mürrische Müllmänner müffeln modernde Möhren“, was selbst einen Vierspalter an die Grenze seiner Möglichkeiten brächte, während die Überschrift „Irritierte Intellektuelle gründen intelligente Illustrierte“ an titelfreundlich schmalen Lettern („i“, „l“, „t“) sehr reich ist.

Aber zurück zur Schreibmaschine. Das Manu- bzw. Typoskript wurde, wie Sie vielleicht wissen, per Rohrpost in die Setzerei expediert, und die ganz Alten erinnern sich, wie die Überschriften per Hand aus bleiernen Buchstaben geformt wurden. Und wissen Sie was? Das Handwerk lebt!

Sollten Sie jemals auf die Idee kommen, ein eigenes Buch gestalten zu lassen, dann suchen Sie diesen Hinterhof auf. Er liegt an einer Ausfallstraße, noch am Rand der City, aber in einer vollkommen anderen Zeit. Neben dem Eingang zur Werkstatt, am Hinterausgang des Wohnhauses, das an der lauten Straße steht, spielt ein Vater mit seinem Sohn Basketball, als hätten die Fünfziger Jahre die beiden hier vergessen.

In der Druckerei sagt Herr S., der sie mit Herrn C. betreibt, der Titel (Silberprägung auf Leineneinband) gehe auch etwas größer, und plötzlich hat er eine Bleiletter in der Hand: „Ungefähr so, 28 Punkt.“

Schön, dass es Computer gibt. Aber jede Zeit braucht ihre Hinterhöfe. Lasst sie nicht verschwinden!

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