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Die Teebeutel der Sorte „Magenfein“ haben immer einen hilfreichen Spruch auf Lager.
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Die Teebeutel der Sorte „Magenfein“ haben immer einen hilfreichen Spruch auf Lager.

Times mager

Magenfein

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Kann man einen Text beginnen, ohne zu wissen, über was man schreiben will? Aber ja, unbedingt!

Und, weißt du schon, über was du schreiben wirst? Erwartungsvolle Blicke auf der einen, Verlegenheit auf der anderen Seite. Über was ich schreiben werde? Keine Ahnung. Schweigen. Nein wirklich, keine Ahnung. Erst mal einen Schluck Pinot grigio. Zeit schinden. Hoffen, dass niemand nachhakt.

Wie, keine Ahnung, sagt aber da einer in der kleinen Runde. Du musst doch vorher wissen, über was du schreiben willst. Du kannst doch nicht anfangen, ehe du nicht weißt, worum es gehen soll. Na ja … ja und nein ... Ja, denn eine Entscheidung muss natürlich fallen, für einen Anfangssatz. Denn ohne Anfang geht es nicht weiter. Trotzdem ist nach dem ersten Satz noch vieles möglich. (Er könnte, nur so als Beispiel, lauten: „Und, weißt du schon, über was du schreiben wirst?“) Und dann, nach dem zweiten, stehen immer noch alle Richtungen offen. Und dies erneut, auch noch in Zeile 43. Oder 55. Bis zum letzten Satz, letzten Punkt können noch Abzweigungen genommen werden.

Das ist keine gute Antwort, das ist mal klar. Wird man das Ansehen der Medien weiter schädigen? Wird eine Leserin hinter vorgehaltener Hand zu einem Leser sagen: Psst, ich habe aus sicherer Quelle, dass die XY, wenn sie zu schreiben beginnt, noch keinen blassen Schimmer hat, über was sie schreiben wird. Jetzt stell dir vor, du würdest als Schreiner nicht wissen, ob du als Nächstes einen Tisch herstellen wirst oder ein Bett. Und würdest dich ungefähr ab dem dritten Tischbein fürs Bett entscheiden, das dann zwei viel zu hohe Beine hätte. Oder würdest es als Lehrerin dem Zufall überlassen, ob du der 11B gleich das französische Imperfekt oder das Bohr’sche Atommodell erklärst. Du wärst doch die längste Zeit Schreiner/Lehrerin gewesen.

„Kein Held kann über seine Kräfte kämpfen“, wirft da die XY kühn in die Runde: Wäre das nicht ein ebenso guter Ausgangspunkt, ein ebenso gutes Thema wie alle anderen? Soll ich also darüber schreiben, was meint ihr? Ein angemessenes November-und-Lockdown-Thema wäre es außerdem, weil es als Spruch an einem Teebeutel der Sorte „Magenfein“ hängt.

Aber schon gibt die eine zu bedenken: Was ist mit der Heldin? Darf die auch kämpfen und, falls sie sich verausgabt hat, zur Erholung Magenfein trinken? Und schon antwortet der andere: Die Heldinnen, die ich kenne, trinken lieber einen Pinot grigio. Die Helden übrigens auch, reich doch mal die Flasche rüber.

Nun, und jetzt, da wir dir Anregungen gegeben haben, weißt du jetzt, über was du schreiben wirst?

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