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Der Nachthimmel faszinierte den Philosophen Thales so sehr, dass ihm ein Missgeschick passierte.

TIMES MAGER

Magd & Mob

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Wie reagierte eine Augenzeugin vor 2500 Jahren auf einen in einen Brunnen stürzenden Philosophen? Legendär!

Philosophen hatten von Anfang an nichts zu lachen. Denn so ist ihnen in der Welt wohl zumute, seitdem sie über sie nachdenken. Dass sie gerecht wäre, lässt sich nicht ohne weiteres behaupten – und das Thema der Ungerechtigkeit wurde wahrhaftig nicht durch die Aufklärer erstmals aufgebracht. Zudem diese Arbeitsteilung, ein Problemfeld, das nicht erst der Kommunismus kritisch angesprochen hat. Dass jedoch der Philosoph denkt, eine außermenschliche Macht lenkt, und der Mob mit Sicherheit lacht, kaum dass ein Philosoph eine schlechte Figur macht, ist keine Eigentümlichkeit des Kapitalismus. Wie der Mob schon deswegen weiß, weil er ein geradezu unheimliches kulturelles Gedächtnis hat.

Auch hat der Mob, sobald ihm verächtlich zumute ist, ein berühmtes Vorbild – eine in die Geschichte der Philosophie eingegangene Magd. Sie, damals, vor 2500 Jahren in Milet beheimatet, verkörperte unüberhörbar (unverschämt) die Schadenfreude, kaum dass sie Zeugin wurde, wie der Philosoph Thales bei seinen astronomischen Studien, fokussiert auf den Nachthimmel, in einen Brunnen stürzte. Hochschauen kommt vor dem Fall, klar.

Lachen ist natürlich nicht verboten – wäre ja noch schöner, wäre sogar schlimm, ein Ausdruck äußerst bedrückender Verhältnisse. Sozial und kulturell unangenehm ein Gemeinwesen, in dem nicht gelacht wird. Aber der Magd ging es wohl kaum um ein befreiendes Lachen. So wenig wie um die Einsicht, dass man es nicht hoch genug veranschlagen kann, dass nachdenkliche und/oder nachdenkende Menschen in anderen Sphären schweben, so amüsant das auch ausschauen mag. Und bereits über den Augenschein ließe sich ebenfalls länger nachdenken, ebenso wie über das Schweben, aber wem (lachen Sie nicht!) sagt man das?

Wie sich die Dinge seit 2500 Jahren entwickelt haben, haben robustere Naturen für das Lachen der Thrakerin über die Alltaguntauglichkeit des Astronomen Thales viel Verständnis aufgebracht. Aber war damit ein Argument gegen die Astronomie gefunden?

Es ist wohl eher so, dass in dem gemeinen Lachen der Thrakerin eine Urszene des Unverständnisses gegenüber Expertenwissen und Expertise ausgemacht werden kann – von einem Archetypus der Schadenfreude gar nicht zu reden. Also auch der Häme? Die großen Interpretationen der antiken Urszene, in der sich ein alles andere als unschuldiges Gelächter zeigt, stammen aus Zeiten, als der Hämekosmos Internet noch nicht erfunden war. Allein darüber gibt es nichts zu lachen. Aber es gibt zu denken.

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