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Mildes Lächeln – diese Maus weiß Bescheid.

TIMES MAGER

Mäusemiene

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Heldengeschichten von Mäusen, Oktopussen und eher nicht Menschen in der Feuilleton-Glosse.

Ein Cartoon im Magazin „New Yorker“ zeigte kürzlich zwei Forscher in Kitteln und mit Clipcharts vor einem Tisch und einem Miniatur-Irrgarten darauf, ein ordentlich großes Stück Käse lag in einem Eck des Labyrinths. Auf den Käse steuerte, pfeilgerade, eine fliegende Maus zu, geschnallt in ein Fluggerät, wie es Daniel Düsentrieb alle Ehre machen würde, dazu eine todschicke Fliegerbrille tragend. In der Erinnerung des Times mager sah sie äußerst pfiffig aus, die Maus. Oder machte jedenfalls ein diebisch erfreutes, ein hochpfiffiges Gesichtchen, pfiffiger allemal als die Forscherin und der Forscher auf der Zeichnung, während Letzterer zu seiner Kollegin sagt: „Sie hat die Aufgabe nicht verstanden.“

Darüber lacht vermutlich nun die Mäusewelt. Denn warum soll sie nicht lesen können, die Mäusewelt, wenn sie doch, wie Genfer Wissenschaftler der hochnäsigen (grundlos hochnäsigen, möchte man aus aktuellem Anlass sagen) Spezies Homo sapiens herausgefunden haben, über diverse Gesichtsausdrücke und also wohl auch über die entsprechenden Emotionen verfügt, traurige und heitere. Die Forscher listen einen je spezifischen Gesichtsausdruck für: Abscheu, Freude, Schmerz, Angst, Krankheit, Flucht.

Irgendwie wird man den Eindruck nicht los, dass den Wissenschaftlern vor allem unangenehme Versuchsanordnungen einfielen – also unangenehm für die Maus. Und wenn es um „Freude“ ging, dann fanden sie es gleich nötig herauszufinden, ob die Freude über ein Schälchen mit einem Softdrink größer ist, wenn die Maus richtig schlimm Durst hat. Ist sie, wer hätte das gedacht.

Vögel, die mittels Videos, die Artgenossen zeigen, lernen, was man als Vogel fressen kann und was nicht. Die außerdem zu flotten Rhythmen abtanzen. Und dass Kakadu Snowball seinen wippenden und kopfnickenden Spaß hat ausgerechnet zum Queen-Song „Another One Bites the Dust“, das sollte uns zu denken geben, die wir dem Corona-Staub zu entkommen versuchen. Apropos entkommen: Da haben sogar den Ausbrecherkönigen unter uns Oktopusse einiges voraus, wie zahlreiche Anekdoten belegen, Heldengeschichten von Tintenfischen (sie erzählen es noch ihren Ururururenkeln), die aus Aquarien geflohen sind und kein Mensch (!) wusste, wie sie das angestellt haben. Houdinis mit Tentakeln – und wir würden darauf wetten, dass sie, ehe sie die Fliege machten, den Fischen in ihrem Becken verschwörerisch zugezwinkert haben. Machten die Fische ein dummes Gesicht?

Das mäusische Mienenspiel ausgewertet hat übrigens ein Computer. Bald brauchen sie uns nicht mehr, die Tiere auf der einen und die KI auf der anderen Seite, sie werden sich prima verstehen. Und DJ Oktopus wird auflegen.

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