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Im Kummerkasten sollten drängende Fragen beantwortet werden. Zum Beispiel, ob geblümter Stoff auch in der bevorstehenden Saison (Sommer 1693) noch tragbar sein würde.

Times mager

Männer

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Vor 325 Jahren erschien erstmals eine offizielle Frauenzeitschrift.

In dieser Woche vor 325 Jahren erschien in London die erste Ausgabe des „Ladies’ Mercury“, der ersten Frauenzeitschrift der Welt. Sie markiert offiziell die Entdeckung der Frau als Special-Interest-Leserin. Der Testdurchlauf hatte drei charakteristische Merkmale: Der Herausgeber war ein Mann, im Zentrum der zweiseitigen (eng bedruckten!) Publikation stand ein Kummerkastenangebot, und nach vier Wochen war die Wochenzeitschrift finanziell am Ende.

Die Idee des Kummerkastenangebots bezog sich nicht etwa auf so wesentliche Fragen wie die nach einem gut vorzubereitenden dreigängigen Menü für sechs Personen. Oder ob geblümter Stoff auch in der bevorstehenden Saison (Sommer 1693) noch tragbar sein würde und tout le monde wieder in Bath. Obwohl „das schöne Geschlecht“ ausdrücklich Gelegenheit bekommen sollte, „vernünftige“ Fragen zu stellen, schwebten dem Herausgeber dabei die Themenbereiche „Liebe, Ehe und Benehmen“ vor. „Jungfrauen, Ehefrauen und Witwen“ sollten sich angesprochen fühlen, und während man noch überlegt, warum es nur diese drei Gruppen sein sollen, wird einem klar, dass es aus Sicht des „Ladies’ Mercury“-Machers und seiner Zeit keine anderen Frauen gab.

Es ist nicht einfach, sich jetzt nicht vorzustellen, wie vergnüglich sich der Herausgeber diese Aufgabe vorstellte. Und dass er erwartete, es werde eh um das Interessanteste auf der Welt gehen, den Mann. Gleichwohl ist nicht anzunehmen, dass der „Ladies’ Mercury“ am publizistischen Konzept scheiterte. Ohnehin fanden sich bald Nachfolger, auf die sich unsereiner noch alle vierzehn Tage freut, ohne je vorgehabt zu haben, sechs Personen zu einem dreigängigen Menü einzuladen oder geblümten Stoff einzukaufen. Oder auf Mallorca Tausende weitere Leserinnen in verborgenen Winkeln zu treffen.

Aber ist der Mann überhaupt das Interessanteste auf der Welt? Das ist schwer zu sagen. Nicht schlecht der Jungwähler, der am Sonntag im Frankfurter Wahllokal seinen Briefwahlumschlag in die Urne stecken wollte und nicht locker ließ. Da kamen die Wahlhelfenden ganz schön ins Schleudern. Aber könnte das nicht ebenso gut einer Frau passieren? Ja, klar, gewiss.

Aber ist Wahlhelfende nicht doch etwas umständlich? Nicht in einer Stadt, in der am Ortseingang gebeten wird, die Autotüren vorsichtig zu öffnen, weil „Rad fahrende“ sich nähern könnten. „Rad fahrende“ verbindet moderne, faire Sprache mit sympathischer Rechtschreibunsicherheit. Einerseits kommt einem das meiste immer schon bekannt vor, andererseits geht es auch voran.

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