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Apfel und Birne: Nicht zu vergleichen.
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Apfel und Birne: Nicht zu vergleichen.

Times mager

Luise

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Äpfel und Birnen? Man kann auch mal Birnen mit Straßenbahnschienen vergleichen. Nur zum Beispiel.

Unser Mathelehrer Dr. W. ächzte bedenklich, wenn er eine geometrische Sache an die Tafel zeichnete. Er benutzte dazu überdimensionales Werkzeug, Lineal und Geodreieck, sozusagen die Enteneltern all der kleinen Lineal- und Geodreieckküken, die wir durch unsere aufgeschlagenen Mathehefte scheuchten. Lineale hießen im Schülerinnen- und Schülergebrauch Linni („Kreisch, ich hab meine ganzen Mathesachen vergessen, kann ich kurz dein Linni?“), fürs Geodreieck lag keine griffige Abkürzung vor.

Heute würde man vielleicht auf GD kommen, aber englisch prononciert. Dschie-Die. Eine Parabel mussten wir uns auch kaufen. Eine Normalparabel. Wo ist die eigentlich? Hat irgendwer nach dem Schulabschluss je seine Normalparabel gebraucht? „Schatz, für dieses Problem mit unserer Steuererklärung (der Kinderzimmerjalousie, dem Spülmaschinenzulauf, dem Hühnerschlegel) benötige ich bitte die Normalparabel.“ – „Ich hätte hier leider nur die Spezialparabel. Oder die mit dem Fuchs und dem Raben.“

Verzeihung. Erklärte uns Dr. W. einen Zusammenhang, der Quadrate von a, b oder c enthielt, Vektoren, Funktionen, jene Dinge, die man sofort wieder vergisst, wenn man sich später beruflich lieber in kurzen Texten darüber lustig machen möchte, dann bediente er sich gern des Begriffspaares Birnen und Straßenbahnschienen. Gleichungsbuchstabe b stand dann für die Birnen, Buchstabe a für die Straßenbahnschienen, und Obacht: Die durfte man nicht miteinander vergleichen. Mögen andere Mathelehrkräfte dafür Birnen und Äpfel verwendet haben – Dr. W.s Sache war das nicht. Er stand für klare Unterscheidbarkeiten im Leben. Eine Birne und eine Straßenbahnschiene, das war eindeutig.

Den Unterschied zwischen Äpfeln und Birnen jedoch brachte uns Dr. W. nicht bei. Das war ja auch nicht seine Aufgabe. Dafür zeichneten andere Kollegiumsmitglieder verantwortlich, offenbar weniger gewissenhaft. In dieser Zeitung wurde jedenfalls unlängst die Gute Luise als „alte Apfelsorte“ bezeichnet. Jungjournalistenausbilder K. hätte jetzt gesagt: „Das ,alt‘ nimmste zurück!“ Aber darum geht es nicht, sondern, alle wissen es, darum, dass die Gute Luise von Avranches natürlich eine alte Birnensorte ist (243 Jahre). Genauso alt wie Clemens Brentano, aber immer noch ein Gedicht.

Kann man es sich künftig insofern leicht machen, dass die Birne weiblich hieße, der Apfel männlich? I wo. Trockener Martin! Granny Smith!

Zur Ehrenrettung: Der Birnen-und-Äpfel-Verwechsler hatte nur ein winterlich nacktes Jungbäumchen ohne Früchte vorliegen. Und kann noch heute treffsicher eine Birne von einer Straßenbahnschiene unterscheiden.

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