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Der Wolf - die Zwiebel - Love?

Times mager

Love

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Mit Liebe hat das nichts zu tun. Die Beatles sind Geschichte, die Gegenwart heißt „Leistungsorientierte Vergütung“ (Love).

All you need is love, sangen die Beatles, und was einem Lennon recht war, ist einem Automobilkonzern nur billig. Jedenfalls möglichst nicht teuer, wie man annehmen darf.

Kürzlich ergab sich eine Begegnung mit einem Mitarbeiter des volksnahen Automobilkonzerns, dessen Namen hier weder genannt werden soll noch muss, denn jeder kennt VW. „Wir haben ja jetzt Love“, sagte der Mitarbeiter, wies aber die aufkeimenden Glückwünsche der Anwesenden sofort zurück, denn es zeigte sich: Er war gar nicht so begeistert von Love.

„Love“, sagte der Mann vom Konzern, „gibt es nicht nur bei uns“, und tatsächlich teilt das Internet mit, die Sache werde in zahlreichen Unternehmen angewandt, manchmal auch unter Pseudonymen wie „Lob“ oder „Los“. Diese Hinweise entnehmen wir der Seite „https://verguetungsmodell.de“, Unterseite „strategische-ausrichtung-variable-verguetung“, von der man eine Menge lernen kann, zum Beispiel „Leistung ist Input“ und vor allem: „Nutzen Sie zur Differenzierung von Leistung als Input und Erfolg als Output die Wolf’sche Zwiebel!“

Ja, die kennen Sie jetzt wieder nicht, die Zwiebel. Hier nur kurz das Wichtigste: „Die jeweiligen Vorteile von Leistungsmessgrößen und Erfolgsmessgrößen können durch Kombination und Verknüpfung der beiden Messgrößenarten abgeschöpft werden. Die performanceorientierte Variable Vergütung berücksichtigt einerseits zielgerichtete, erfolgsorientierte Leistungen und andererseits die erzielten Erfolge. Erstere werden durch erfolgsorientierte Leistungsmessgrößen (eLMG), letztere durch die Erfolgsmessgröße abgebildet.“

Ja, so geht Love, aber eines können Sie glauben: Mit Liebe hat das nichts zu tun. Die Beatles sind Geschichte, die Gegenwart heißt „Leistungsorientierte Vergütung“ (Love). Oder „Leistungsorientierte Bezahlung“ (Lob) oder „Leistungsorientiertes Salär“ (Los). Der Mann vom Konzern sagte, „Los“ wäre ihm lieber gewesen, weil näher an der Wirklichkeit, und zwar im doppelten Sinne, denn einerseits komme Love/Lob/Los einem Würfelspiel näher als einem Handeln nach objektivierbaren Kriterien, und zweitens sei es nun mal sein, des Mitarbeiters Schicksal bzw. Los, sich mit dem Ergebnis abzufinden.

Der Wolf mit der Zwiebel würde sicher widersprechen, aber egal. Sehr schön allerdings das Angebot von „verguetungsmodell.de“: „Bitte nehmen Sie jetzt Kontakt auf, wenn Sie direkt mit einem Experten für variable Vergütungssysteme über die Nutzung der Wolf’schen Zwiebel sprechen möchten.“ Das Times mager wird einen Teufel tun, denn es weckt lieber keine schlafenden Hunde, sonst hat man am Ende den Wolf mit der Zwiebel im Haus.

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