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Der wohl beste Film des Jahres fehlt bei der Lola-Preisverleihung: Christian Petzolds Holocaust-Drama „Phoenix“.
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Der wohl beste Film des Jahres fehlt bei der Lola-Preisverleihung: Christian Petzolds Holocaust-Drama „Phoenix“.

Times mager

Lola pennt

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Die deutsche Filmwelt feiert sich. Aber welchen Anreiz bietet der höchstdotierte Filmstaatspreis überhaupt noch anspruchsvollen Filmkünstlern für ihre Arbeit?

Am Samstag wird man es wieder überall lesen: Die deutsche Filmwelt feierte sich selbst. Aber es ist nur ein Teil der Branche, der am Freitagabend in Berlin die Lola-Vergabe zelebriert, nachdem er zuvor selbst über die Verteilung der knapp drei Millionen Steuermittel abgestimmt hat.

Der wohl beste Film des Jahres und nahezu der einzige, der auch international gefeiert wurde, fehlt: Christian Petzolds Holocaust-Drama „Phoenix“. Die Mitglieder der Filmakademie halten ihn für schlechter als die sechs anderen nominierten Filme. Darunter ist auch sein künstlerisch konventionelles, inhaltlich geschichtsverfälschendes Gegenstück „Im Labyrinth des Schweigens“. Petzold hatte seinen Film dem Frankfurter Staatsanwalt Fritz Bauer gewidmet, der die deutschen Auschwitz-Prozesse initiiert hatte. In „Im Labyrinth des Schweigens“, wo es um die Vorbereitung dieser Prozesse geht, ist er nur eine Nebenfigur, die Hauptperson ist ein fiktiver junger Kollege, der sich an der Schuld seines Nazi-Vaters abarbeitet. Zwar orientierten sich die Filmemacher an einer existierenden Figur, dem verstorbenen Joachim Kügler, doch der hatte keinen Nazi-Vater.

Sex und dann ein Pogrom

Aber im deutschen Kinomainstream muss es für alles eine psychologische Erklärung geben. Wie auch in „Wir sind jung. Wir sind stark“, einem weiteren der nominierten – und schon jetzt mit 250 000 Euro prämierten – Filme. Die Krawalle von Rostock-Lichtenhagen werden da mit den Konventionen des Coming-of-Age-Films beleuchtet: Einer der Brandstifter hat vor dem Pogrom gerade noch Zeit für den ersten Sex. Was will man da anfangen mit einem künstlerischen Film wie dem von Petzold? Der bei seiner Premiere auf dem Festival von Toronto stürmisch gefeiert wurde. In Frankreich attestierte ihm „Le Monde“ das „Genre des Melodrams für eine lebendige, moderne Idee des Kinos zu nutzen“.

Der Film lief in den Festivalwettbewerben von San Sebastian, wo er den Fipresci-Preis gewann, in London und Hongkong. Nur für den deutschen Filmpreis kommt er nicht in Frage, was wohl auch damit zu tun hat, dass Petzold der Deutschen Filmakademie nie beigetreten ist. So sind lediglich die Darstellerinnen Nina Hoss und Nina Kunzendorf nominiert.

Es ist ein Skandal: Welchen Anreiz bietet dieser höchstdotierte Staatspreis überhaupt noch anspruchsvollen Filmkünstlern für ihre Arbeit, solange ihn die Filmakademie vergibt? Und ausgrenzt, wem es gelingt, es über den Tellerrand des eigenen Horizonts zu schaffen?

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