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Times Mager

Lohne

Die niedersächsische Gemeinde Lohne möchte vier bedeutende Persönlichkeiten mit Lohne-Bezug ehren. Der Schriftsteller Erich Maria Remarque aber ist aus dem Rennen - denn der einstige Lohner Junglehrer pflegte einen "unmoralischen Lebenswandel".

Neuigkeiten erreichen uns auch aus Lohne im Landkreis Vechta (26.500 Einwohner, Devise: Lohne lohnt sich). Dort konnte sich der katholische Pfarrer nicht mit dem Vorschlag durchsetzen, dem Schriftsteller Erich Maria Remarque auf dem Kirchenvorplatz ein Denkmal zu setzen.

Vier bekannte Persönlichkeiten sollen hier geehrt werden, die einen besonderen Bezug zu Lohne haben. Herzlose Großstädter werden vielleicht höhnisch fragen: Wer mag das sein? Das ist aber gemein. Keine Diskussion gab es in der Gemeindeversammlung um den Lohner Heinrich Bürschen (1881–1957), der die Mission auf den Philippinen aufbaute. Oder um Bischof Niels Stensen (1638–1686), der am 31. Juli 1681 die Pfarrei Schepsdorf besuchte, zu der Lohne gehörte. Oder um den von den Nationalsozialisten ermordeten Kaplan Hermann Lange (1912–1943), der 1939 in Lohne tätig war, vier Wochen lang, wie die Neue Osnabrücker Zeitung berichtet. Anders verhält es sich bei Remarque. In der Aussprache wurde dessen „unmoralischer Lebenswandel“ gerügt, mit Blick auf Frauen nämlich. Der Autor von „Im Westen nichts Neues“ könne darum kein Vorbild für einen Christen sein.

Natürlich ist es nicht schlimm, wenn die Lohner Remarque nicht für wert befinden, auf ihrem Kirchplatz zu stehen. Es ist eher ulkig. Remarque arbeitete hier nach dem Ersten Weltkrieg als Junglehrer. In „Der Weg zurück“ erzählt er davon. Neben dem Kampftrinken mit Bauern geht es um die Verlegenheit des jungen Pädagogen, sein Erstaunen darüber, dass die Schüler ihm gehorchen. Während sie das „K“ üben, überkommt ihn Mutlosigkeit. „Vierzig seid ihr – vierzig verschiedene Leben stehen hinter euch und warten. Könnte ich euch helfen, wie gerne täte ich das! Aber wer kann hier dem andern schon wirklich beistehen?“ Nein, das ist noch keine große Literatur, aber barmherzig. Man weiß freilich nicht, wie viele Autoren von Weltrang sich mit dem Schicksal Lohner ABC-Schützen befasst haben.

Und den Gemeinderat hätte vielleicht eher der Bericht interessiert, den ein Lohner später verfasste: „In seinem Dienst war R. durchaus korrekt. So beaufsichtigte er in der Kirche mit Gewissenhaftigkeit die Schulkinder.“

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