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Wenn schon Blau und Rosa, dann wenigstens halbe-halbe.

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Von Lego soll es in Kürze ein Wissenschaftlerinnen-Set geben. Das wurde aber auch Zeit.

Aus einschlägigen Legokreisen ist zu erfahren, dass noch in diesem Jahr ein neues Set mit drei Wissenschaftlerinnen herauskommen wird. Weiblichen Wissenschaftlerinnen, heißt es in solchen Situationen mitunter, wenn keine Unklarheit bleiben soll. Nachdem bereits 2013 eine winzige Chemikerin auf den Markt geworfen worden war, eindeutig erkennbar an den Reagenzgläsern. Lesen wir hier einen Ausschnitt aus dem Erfahrungsbericht einer Mutter: „Während mein Sohn im ersten Moment eine Frau mit Flaschen sah, war meine Tochter der festen Überzeugung, dass es ,Sprüher‘ seien und spielte im ersten Augenblick eine Putzfrau in diese Rolle hinein. Hm, na gut ok. (...) auch mein Sohn sah wohl mehr eine Art Kellnerin in der Figur, denn als er damit spielte, schenkte sie dann Getränke aus.“

Insofern kann man die Notwendigkeit eines Heeres von weiblichen Wissenschaftlerinnen in der Lego-Welt kaum überschätzen. Spielzeugfirmen tun engagiert bei der Lösung von Problemen, die erst entstanden, als sie anfingen, Spielfiguren für Jungen und Mädchen durch Farb- und Formgebung gezielt zu trennen.

Die verflixte rosa Phase

Ein Skandal, über den genug gesagt wurde. Vielleicht aber noch nicht ganz genug über die damit durchaus verknüpfte rosa Phase, die mindestens alle um die und nach der Jahrtausendwende geborenen Mädchen durchlaufen müssen. Sie betrifft vom Waschlappen über den Schulranzen bis zur Tapete alles, was in der Welt einer Sechsjährigen denkbar und interessant ist. Ein bis zwei Jahre währt sie. Dann muss alles neu gekauft werden (das überlebende Nachthemd wird nurmehr verlegen getragen und die niedliche, stark gelockte Zauberin auf der Brust kichernd mit den Händen verdeckt). Insofern leuchtet die rosa Phase zumindest kapitalistisch ein. Sie hält den Warenmarkt für Mädchengegenstände aller Art ungeheuer in Bewegung. Während bei Spielfiguren in dieser Hinsicht die Rechnung nicht aufgehen dürfte, weil jeder Mensch zwar das Alter, kaum einer aber das Geschlecht wechselt.

In den frühen Tagen waren Plastikspielfiguren geschlechtsneutral, so dass sie  ihren eigenen anthropologischen Werdegang haben. Als die ersten Hüte kamen, konnte jede Figur sie aufgeknipst bekommen. Als die ersten Augenwimpern kamen (Männer haben Plastikspielfiguren zufolge keine Augenwimpern), war der Spaß vorbei. Früher waren Plastikspielfiguren auch viel niedlicher. Das darf man aber nicht vertiefen, weil einem damals die Erwachsenen furchtbar auf die Nerven fielen, die fanden, man könne doch auch mit Streichholzmännchen wunderbar spielen.

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