Am Tag der Abreise zu Freund:innen erscheint Ihnen plötzlich ein Fernsehabend zu Hause bei Wasser und Brot sehr reizvoll? Das ist normal. Und in diesen Zeiten erst recht.
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Am Tag der Abreise zu Freund:innen erscheint Ihnen plötzlich ein Fernsehabend zu Hause bei Wasser und Brot sehr reizvoll? Das ist normal. Und in diesen Zeiten erst recht.

Times mager

Logistik

  • Stephan Hebel
    vonStephan Hebel
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Buchung, Bevorratung, Abholfrage - und das ist noch nicht alles.

Soeben hat das Times mager den Beruf des Corona-Logistikers (m/w/d) erfunden. Und das hat folgende Gründe:

Der Besuch bei Freundinnen, Freunden und Verwandten stellt ja ohnehin eine gewisse Herausforderung dar. Da heutzutage Hinz und Kunz meint, über den halben Globus oder zumindest das ganze Land verteilt leben zu müssen, sind genaueste Absprachen bezüglich An- und Abreise, Speisenfolge („Was frühstückt ihr noch mal?“), Spaziergangs-Neigung, Rot- oder Weißwein beziehungsweise Bevorzugung von Restaurantbesuchen (Reservierung!) zu treffen.

Es folgt dann noch die Buchung von Tickets, die Bevorratung mit Proviant, die Abholfrage („Wir kommen zum Bahnhof, klar!“ – „Nee, müsst ihr wirklich nicht!“ – „Echt nicht?“), der darauf folgende interne Austausch unter den Reisenden („… und wir Deppen beim letzten Mal, mitten durch die Stadt zum Bahnhof …“) sowie die genaue Prüfung der am Zielort bestehenden beziehungsweise bevorstehenden Wetterlage.

Wenn Sie sich je gefragt haben, warum Ihnen praktisch immer am Abreisetag plötzlich ein Fernsehabend zu Hause bei Wasser und Brot so reizvoll erscheint, das soeben Geschilderte war die Antwort. Und das gilt sogar dann, wenn Sie Ihre Freundinnen, Freunde und Verwandten ernsthaft mögen sollten.

Nun ist Ihnen sicher aufgefallen, dass all die hier aufgezählten Aspekte bereits in jener fernen Zeit Gültigkeit besaßen, die wir heute als „Normalität vor Corona“ zu bezeichnen pflegen. Sollten Sie allerdings je das Bedürfnis verspüren, in der gegenwärtigen Epoche Ihre Freundinnen, Freunde oder Verwandten zu besuchen, dann machen Sie sich bitte darauf gefasst, dass Sie einen Corona-Logistiker (m/w/d) brauchen.

Diese Person wird Ihnen die Arbeit abnehmen, die oben genannten Herausforderungen durch eine harmonische Abstimmung mit den Möglichkeiten des Lebens in der Pandemie zu verbinden. Diese Person wird Ihren Termin so lange verschieben, bis Sie am Zielort das nötige Wetter haben, um draußen zu speisen. Diese Person wird Ihnen ein günstiges Hotel besorgen, weil Sie es nicht wagen, sich über Nacht in der Wohnung Ihrer sympathischen, aber womöglich ansteckenden Freundinnen, Freunde oder Verwandten aufzuhalten. Diese Person wird Ihnen ein Supersparpreisticket erster Klasse in einem weitgehend leeren Zug organisieren und das sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Heimweg.

Schade eigentlich, dass es diese Person nicht schon deshalb gibt, weil das Times mager sie gerade erfunden hat. Kümmern Sie sich also bitte selbst, und zwar schnell. Irgendwann wird es Winter. Dunkle Zeiten.

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