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Der anhaltende Erfolg der Oper Frankfurt hat ein Gesicht - nämlich das des Intendanten Bernd Loebe.

Times mager

Loebe

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Das Hören und Sehen allerorten ihres Intendanten Bernd Loebe führt zum Erfolg der Frankfurter Oper.

Man würde auch gerne einmal „Opernhaus des Jahres“, obwohl man nicht einmal ein Opernhaus ist. Ein interessantes Phänomen. Auch Bernd Loebe hat nichts dagegen einzuwenden.

Es gibt keine zehn Minuten, in denen Bernd Loebe sich nicht bei seinen Leuten bedankt, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, den Musikerinnen und Musikern, dem Chor – beim Chor womöglich besonders, weil es ihn fuchst, wie immer die Stuttgarter „Chor des Jahres“ werden, quasi automatisch –, ausdrücklich stets auch bei denen, die selten einer sieht. Er bedankt sich also wirklich bei allen, und zwar so, dass es absolut zu glauben ist.

Man würde auch gerne einmal von Bernd Loebe Danke gesagt bekommen, ein weiteres seltsames Phänomen. Und das obwohl er en passant erzählt, wie er kürzlich einen längeren Vertrag abgeschlossen hat, als sich der junge Kandidat soeben bewährt, aber noch keinen Agenten hatte. Loebe lächelt vergnügt. Da denkt man dann, dass Loebe nicht nur Dinge fuchsen, sondern dass er auch selbst ein Fuchs ist, und da weiß man wieder nicht so recht.

Aber der wirklich kontinuierliche, überdurchschnittliche und vor 17 Jahren – als Bernd Loebe Intendant wurde – noch nicht abzusehende Erfolg der Oper Frankfurt hat trotzdem ein Gesicht und, machen wir uns nichts vor, es ist das des Intendanten. Als die Oper Frankfurt letztens, also 2015, also schon drei Jahre her – drei Jahre, in denen Bernd Loebe irgendwann irgendwie auch immer zappeliger zu werden schien –, ebenfalls „Opernhaus des Jahres“ wurde (damals zusammen mit dem punktgleichen Nationaltheater Mannheim), wurde an dieser Stelle darüber nachgedacht, wie viel der Erfolg des Intendanten mit seiner immensen Präsenz im Haus zu tun hat. Und montags sitzt er dann noch im Konzert und hört sich das Opern- als Museumsorchester an.

2018 interessieren wir uns aber zur Abwechslung für etwas anderes. Beiläufig sagte Loebe – ein also äußerst zufriedener Loebe – am Freitag, er wolle sich schließlich selbst nicht langweilen, wenn er jeden Abend in die Oper gehe. Da sprach er ein wahres Wort beiläufig aus. Die Oper Frankfurt hat seit 17 Jahren einen permanent Musiktheater rezipierenden Intendanten, der sich durch nichts ablenken lässt, schon gar nicht dadurch (ungewöhnlich heute), dass er selbst Regie führen würde. Bernd Loebes Erfolg ist auch ein Erfolg des maximierten Hörens und Sehens. Beides unterschätzte Fähigkeiten, Geduld erfordernd, Neugier, ein krasses Maß an Aufnahmebereitschaft. Loebe redet übrigens sofort über hundert Details. Arbeit, wenn sie gut gemacht ist, besteht sofort aus hundert Einzelheiten, stimmt. Was für eine Bank für Frankfurt.

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