FRANCE - GROSBLIEDERSTROFF - SOCIETY - THE BORDER After three weeks of closure, the pharmacy put markings on the ground
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Links anstehen zum Reingehen, rechts, also eigentlich links rauskommen.

Times mager

Lockerung - Die Feuilleton-Kolumne

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Aller Lockerungs-Anfang ist schwer, nicht nur für Kinder, die lieber ein Ritter-Visier hätten.

Schon wieder ist es passiert, dass man, ups, den Eingang auch als Ausgang benutzen wollte. Dabei hat das kleine Restaurant gelbschwarze, entschieden richtungsweisende Pfeile über die Terrasse und bis zu den Stufen runter zur Straße geklebt. Außerdem ein Schild „Ausgang“ an die Terrassentüre. Außerdem die Terrassentüre zu einem Viertel schon geöffnet. Trotz allem ist man also, oh je, am Eingang, der jetzt kein Ausgang mehr ist – und warum ist einem das am Tisch nicht aufgefallen, das hätte einem doch einfach auffallen müssen – fast mit einem eintretenden Paar zusammengestoßen. Hat – „sorry, sorry“ – auf dem Absatz kehrtgemacht. Ist auf die eigene, mit Abstand hinter einem gehende Begleitung geprallt, die allerdings nicht aus dem gleichen Haushalt ist, so dass es wahrlich nicht gut ist, Körperkontakt aufzunehmen. Schon gar keinen unfreiwilligen, denn beim Erschrecken entwischt einem ein: „Oh!“ Und wer weiß, mit wie vielen Aerosolen so ein „Oh!“ verbunden ist.

Das Verreisen und Nutzen von öffentlichen Orten in der ersten Lockerung (oder ist es die zweite?, es geht schnell im Moment), ist vor allem ein Kampf gegen die Macht der Gewohnheit. Links anstehen zum Reingehen, rechts, also eigentlich links rauskommen? Schon ist man dem Mann, der mit einem Kind an der Hand von der Burgbesichtigung kommt, vor der maskierten Nase vorbeigewuscht. Um vom Kind gar nicht zu reden, das laut protestiert, das ein Schwert möchte, ein echtes, ein Eis, ein Visier, denn was ist eine Stoff-Maske, selbst eine mit Comicfiguren drauf, gegen eine eiserne Klappe. Der Vater sagt: wir können nicht umdrehen. Das Kind kreischt, empört, maskenlos. Falls es irgendwas Ansteckendes hat, hat es spätestens jetzt die ganze Kassen-Warteschlange angesteckt. Aber reihenweise gucken Augen freundlich. Grinst da mancher, heimlich?

Es fehlt nicht an gutem Willen in diesen Tagen. Meist jedenfalls. Und es gibt überall, schon gleich nach dem „Guten Tag“ oder „Hallo“, ein Gesprächsthema. Wie trägt man sich ein in der Einkehr? Hat man daran gedacht, einen Kugelschreiber mitzunehmen? Verflixt, nein, da muss das Servicepersonal auch noch einen desinfizierten bringen. Aber freut es die Bedienung, wenn man zum Bestellen und Bezahlen die Maske anlegt? Ist es eine kleine Geste der Solidarität?

Und guckt mal da, der Mann hinter der Theke hat einen durchsichtigen Schutz, der wie mit einem Zwicker oben auf der Nase sitzt. So dass man ihn nun lächeln sehen kann.

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