Schneckenkotze würde ein seröser Schriftsteller doch nicht erfinden.
+
Schneckenkotze würde ein seröser Schriftsteller doch nicht erfinden.

Times mager

Lizalfos

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
    schließen

Wie färbte man im 5. Jahrhundert Stoffe rot? Mit Oktoroc-Augäpfeln, wie sonst?

Ist es höchste Zeit nachzuprüfen, mit was eigentlich der gestreifte Pyjama des „Jungen im gestreiften Pyjama“ so bemerkenswert eingefärbt wurde, dass diese Streifen sogar im Titel des Bestseller-Romans von John Boyne extra erwähnt werden müssen? Mit dem Ruf „Slugulus Erecto!“ vielleicht und also Schneckenkotze? Schließlich gibt es allein schon die Purpurschnecke in den Varianten Bolinus brandaris, Hexaplex trunculus und Nucella Lapillus, warum nicht auch eine Zweifarbenbunt-Zebraschnecke (Lateinisch: Duodissimo variuspigmentissimo gastropoda hippotigris)? Auf keinen Fall würde doch der topseriöse Schriftsteller John Boyne eine so farbenfrohe wie gut färbende Schneckenkotze einfach erfinden, um dem Pyjama eines besonderen Jungen einen besonderen Touch zu geben.

So wie er auch ein Gebräu, um mit ihm den Hunnenkönig Attila zu vergiften, nicht einfach erfunden hat in seinem neuen Roman „A Traveler At the Gates Of Wisdom“. Sich via Google kundig machend, was im 5. Jahrhundert nach Christus so zur Verfügung stand, entschied er sich für einen Trank aus einem Octorok-Augapfel, dem Schwanz des roten Lizalfos und vier hylianischen (Mu)Shrooms. Und wenn sie von diesen Tieren (?) und speziellen Pilzen noch nie gehört haben, so liegt es wahrscheinlich daran, dass Attila der Hunne sie hat ausrotten lassen, als er von den diabolischen Plänen hörte, ihm toxische Octorok-Augäpfel al dente zu kredenzen als wären es Rigati alle Vongole.

Aber dann meldete sich im weltweiten Netz eine gewisse Dana Schwartz, meldete sich auch alsbald John Boyne selbst, um sich zu den Octoroks und Lizalfos zu bekennen und zu versichern, er finde das, was ihm da passiert sei, „eigentlich ziemlich lustig“. Denn die seltsamen Tiere gehören in das Videospiel „The Legend of Zelda: The Breath of the Wild“. Allerdings kann Boyne, um bei seinem Rezept zu landen, nicht eingegeben haben „Wie vergifte ich einen Hunnen?“, sondern muss gesucht haben „Wie färbe ich Stoffe rot?“ Der Schriftsteller, meint Dana Schwartz noch, hat die Stelle wohl „etwas oberflächlich“ gelesen. Vermutlich weil sie nun mal nett ist, reitet sie auf dem copy & paste, auf dem Klauen von Wörtern, die jemand anders erfunden hat, nicht weiter herum.

Das Times mager aber möchte an dieser Stelle zugeben, dass ihm der Zauberspruch zum Schneckenkotzen (Iiiiiiiiiih!) so gut gefallen hat, dass es ihn bei „Harry Potter“ geklaut hat. Dass es gelegentlich auch andere Wörter klaut, um sie zu einem anderen als dem ihnen zugedachten Zweck zu verwenden. Dass es aber selbstverständlich, anders als Donald Trump u. ä., nie jemanden damit vergiften würde.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare