Passanten genießen den den Frühlingstag am Main.
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Innerorts darf man gehen, wo man will. Am Straßenrand. Links. Rechts. Egal.

Times Mager

Diese Sache mit links oder rechts

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Gehen Sie rechts? Gehen Sie links? Sehen Sie das andersrum wie manche separatistisch veranlagte Königreiche? Die Feuilleton-Kolumne

Um noch einmal auf die Sache mit links und rechts zurückzukommen – oder hatten wir das Thema noch gar nicht? Links, alle Kinder mussten es lernen und standen anfangs da wie der Kasper, verwirrt, mit zwei angewinkelten Unterarmen: Links sei da, wo der Daumen rechts … aber natürlich hatten wir das Thema.

Man kann die alte Regel drehen und wenden, wie man will, sie bleibt fragwürdig. Wer gerade die Hand aufhält, für den ist rechts qua Daumen links, beziehungsweise links rechts, wenn er Linkshänder ist. Aber darum sollte es heute eigentlich überhaupt nicht gehen, sondern vielmehr: ums Gehen.

Menschen, die gern an Flussufern spazieren, haben damit aktuell kaum Spaß, jedenfalls während der publikumswirksamen Tageszeiten. Es ist einfach zu wenig Platz an Flussufern. Überholende Radfahrer klingeln entweder zur Einleitung des Vorgangs, manche von ihnen etwas zu aufdringlich, was wütende Repliken provoziert: „Ist denn los! Soll ich etwa in den Main/Rhein/East River/Po/Dnjepr/Amazonas/in die Mosel/Donau/Themse/Nidda/ins Gebüsch springen, oder was!?“ Oder sie rauschen ungeklingelt mit Millimeterabstand vorbei, nur der Luftzug ist ihr Zeuge, drehen sich um und schütteln den Kopf.

Warum schütteln sie den Kopf? Weil das Spazierpaar die Dreistigkeit besitzt, nebeneinander zu spazieren und nicht hintereinander, was Radfahrer regelmäßig in Bredouillen bringt, besonders bei Geschwindigkeiten oberhalb der 70-km/h-Marke. Aber auch darum sollte es eigentlich gar nicht gehen, sondern, wo waren wir? Ach ja: rechts.

In weiten Teilen der Welt bewegt man sich, wenn man sich bewegt, am rechten Wegesrand (hier heute ausnahmsweise ohne politische Einordnung). Man hat sich darauf geeinigt. Ob man mit einem Fahrzeug unterwegs ist oder zu Fuß: Wenn zwei Parteien im Begegnungsverkehr wissen, wo rechts ist, kommt man gut aneinander vorbei.

Gewisse separatistisch veranlagte Königreiche sehen das genau andersherum. Daher liegt es nahe, jemanden, der dir auf der von ihm aus gesehen linken Seite des Weges entgegenkommt, zu fragen: „Are you British?“. Bisher gab es leider nie eine Antwort darauf. Auch scheint es die meisten Leute nicht besonders zu stören, wenn siebenhundertfünfzig Spaziergänger einem einzelnen Wandersmann ausweichen müssen, der stur am linken Rand klebt.

Der Straßenverkehrsordnung ist das übrigens wurst. Die sagt: Innerorts darf man gehen, wo man will. Am Straßenrand. Links. Rechts. Egal. Und so wichtig, dass man darüber Kolumnen schreiben müsste, ist das Thema nun auch wieder nicht. Man kann sich auch einfach weiterärgern.

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