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Wer ist schon so blöd und fährt in den Urlaub?

Times mager

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Mancher mault im Urlaub: wäre ich doch nicht gefahren. Dabei ist es oft die Heimfahrt, die man nicht hätte antreten sollen. Jedenfalls nicht sonntags.

Nichts sei anstrengender als die Jagd nach Erholung, verkündet der oberhessische Schriftsteller Falko Löffler in seinem Buch „Bin ich blöd und fahr in Urlaub?“. Die Conclusio des Mannes aus dem Vogelsberg nach Abwägen der gängigen Reisevarianten von Wellness bis Pilgerpfad: „Zuhausebleiben ist der beste Trip.“

Genau diese Erkenntnis fährt vermutlich 70 bis 92 Prozent aller Reisenden ebenfalls in den Kopf, wenn sie abschließend erörtern, ob es eine Superidee war, die Rückfahrt am Sonntag anzutreten, weil dann keine Lastwagen auf der Autobahn sind. Der zweite Teil der Überlegung (keine Lastwagen) stimmt. Der erste Teil (Superidee) stimmt nicht. In den Sommerferien fahren sonntags pro fehlendem Lastwagen rund fünftausend Personenkraftwagen auf der Autobahn.

Die Zeit im Stau ließe sich hervorragend zum Verfassen einer Glosse für eine sympathische überregionale Tageszeitung nutzen, wenn nicht der Mann im Navigationsgerät alle naslang interessante Ideen hätte: „In 80 Metern biegen Sie links ab“, verordnet Herr Hallmackenreuther, wie wir ihn zärtlich nennen. In 80 Metern befindet sich links die Leitplanke der Autobahn. Wir möchten dort nicht abbiegen. Das sieht Herr Hallmackenreuther auch ein, als wir zwanzig Minuten später die 80 Meter hinter uns haben. „Drehen Sie, wenn möglich, um“, sagt er.

Gute Ratschläge

Wo wir gerade bei guten Ratschlägen auf Hauptverkehrsstraßen sind: Schon weit vor dem Erreichen einer historisch bedeutenden Stadt im Südwesten werben Hinweisschilder dafür, einen Park-and-ride-Platz anzusteuern. Die Konditionen sind traumhaft: Zwei Personen bezahlen zusammen fünf Euro für bis zu zwölf Stunden Parkzeit inklusive Bustransfer (hin und zurück) in die Innenstadt. Dort kann man das Ticket als Fünf-Euro-Gutschein beim Essen oder Shoppen verwenden. Insgesamt zahlt die historisch bedeutende Stadt im Südwesten also drauf, dass es kracht, nur um die Autofahrer davon abzuhalten, wie die Lemminge in die überfüllte City zu strömen.

Unnötig zu erwähnen, dass die Zufahrt zur Innenstadt ein einziger Stau bis zum Horizont ist, während der Park-and-ride-Platz leer gähnt. Man könnte den Leuten vermutlich Geschmeide, Immobilienbesitz oder Leichtmetallfelgen bieten, und sie würden trotzdem versuchen, mit dem Auto bis in den Kaiserbrunnen zu fahren. Nett von Ihnen, dass Sie jetzt zu unseren Gunsten annehmen, wir hätten gleich P&R gewählt und nicht erst den historisch bedeutenden Stau. Wer ist schon so blöd und fährt in Urlaub?Aber wie sagt Herr Hallmackenreuther so schön: Fahren Sie geradeaus über den Kreisverkehr.

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