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Manche lassen an Stangen Hundertstel liegen, andere bleiben gleich selbst liegen.
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Manche lassen an Stangen Hundertstel liegen, andere bleiben gleich selbst liegen.

Times mager

Liegen lassen

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Was um Slalomstangen herum so alles liegen bleibt. Vielleicht schmelzen sie ja im Frühjahr mit dem Schnee dahin, die Hundertstel.

Eines Abends geschah es, dass wir in kleiner Runde in die Übertragung der Ski-Weltmeisterschaft gerieten. Kräftige Herren kurvten auf den Kanten ihrer Skier mehr oder weniger eng um Slalomstangen herum, und wenn sie es weniger eng taten, sagte der Reporter, der das im Gegensatz zu uns gesehen hatte: „Da hat er aber jetzt Hundertstel liegen lassen.“

Die Kinderstube verbietet es uns, die Assoziationskette, die uns dabei überkam, vollständig wiederzugeben. Allerdings überkam uns angesichts der häufigen Wiederholung des Dilemmas großes Mitleid mit dem Ort Vail in Colorado, wo das Ereignis gerade zu Ende gegangen ist. Wenn wir es richtig überschlagen haben, sind auf der Piste insgesamt so viele Hundertstelsekunden liegen geblieben, dass sie, aneinandergereiht, bis übermorgen reichen könnten, wenn nicht sogar bis März.

Vielleicht schmelzen sie ja im Frühjahr mit dem Schnee dahin, die Hundertstel, genau so, wie wir das auch von anderen Sekunden, Minuten, ja Tagen und Jahren gewohnt sind. Vielleicht aber bleiben sie auch einfach liegen, und Vail in Colorado wird lernen müssen, die verbliebene Zeit zu vertreiben.

Da war er doch erfreut

Auf eine alternative Möglichkeit macht uns gerade der Kollege C. aufmerksam, der glaubhaft versichert, er habe von der Ski-Weltmeisterschaft nicht eine einzige Sekunde verfolgt, und auf Nachfrage: nicht mal ein Hundertstel. Er war höchst erfreut zu hören, dass einige davon liegen gelassen wurden und ihm also offensichtlich nachträglich noch zur Verfügung stehen.

Wer einmal mit dem Sammeln angefangen hat, wird übrigens nicht nur auf Skipisten fündig und nicht nur bei Hundertsteln. Skispringer lassen, wie die Reporter unseres Vertrauens immer wieder versichern, sogar ganze Meter liegen. Fußballmannschaften hinterlassen in den Stadien „wertvolle Punkte“, über deren spätere Verwendung die Öffentlichkeit – wen würde das nicht misstrauisch machen? – in der Folge so gut wie nichts erfährt.

Das alles gibt es in der Natur praktisch gar nicht, auch wenn manche Überschrift („Wölfe lassen fünf Punkte liegen“) etwas anderes zu suggerieren scheint (das war Eishockey).

Dem Kollegen C. haben wir empfohlen, sich einmal auf dem verwaisten Rasen des Frankfurter Stadions umzusehen, in dem am Samstag die heimische Eintracht mit 1:0 gegen den FC Schalke 04 gewann. Die Schalker waren in der ersten Halbzeit wesentlich besser, aber da taten sie etwas, das ehrgeizige Sammlerherzen höher schlagen lässt: Sie ließen jede Menge Chancen liegen.

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