Positive Nachrichten gegen den Vorwurf der Lügenpresse: Die "Sächsische Zeitung" wagt einen Versuch.
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Positive Nachrichten gegen den Vorwurf der Lügenpresse: Die "Sächsische Zeitung" wagt einen Versuch.

Times mager

Den Leser positiv an die Hand nehmen

  • Bernhard Honnigfort
    vonBernhard Honnigfort
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So wie in Sachsen geht Konstruktiver Journalismus: Die „Sächsische Zeitung“ will von nun an die „Welt mit beiden Augen“ betrachten.

Heute geht es um konstruktiven Journalismus (KJ). Er ist der hilfsbereite Bruder des angeblich branchenüblichen miesepetrigen Journalismus (BMPJ), weil er nicht nur über den Mist berichtet, den die Menschheit anhäuft, sondern ihr auch verrät, wo die Forke steht, um ihn wegzuräumen. So weit die Theorie.

Beispiel: Im Dezember fuhr Rentner Rolf P. aus Delitzsch nach Leipzig, stellte seinen Peugeot 207 ab und vergaß, wo. Zwei Wochen suchte der 77-Jährige, aber der Wagen war futsch. Auch die Polizei fand ihn nicht. BMPJ: Viele Zeitungen berichteten, hähä, über das Verschwinden, bad news are good news. Nicht so viele, wie es weiterging. Deshalb hier: Rolf P. hat seinen Peugeot längst wieder. Er stand in einer Einfahrt und war abgeschleppt worden.

Jetzt KJ: Lieber Rolf P., liebe Peugeotfahrer, liebe alle, wenn ihr nach Leipzig / Bochum / Nürnberg fahrt und dort parkt: eben den Straßennamen aufschreiben und keine Einfahrt blockieren. Vor der Anreise den Benzinstand kontrollieren und, man kann ja nie wissen, ein frisches Taschentuch einstecken.

So geht KJ. Nicht nur Mist, sondern auch Forke.

Aber KJ ist nicht so einfach, wie man sich das vorstellt. Wie erkennt man ihn? Die „Sächsische Zeitung“ in Dresden hat sich dem KJ mit Haut und Haaren verschrieben. Sie hat vor einigen Wochen einen Kurswechsel beschlossen, will das „ganze Bild in den Blick“ nehmen und die „Welt mit beiden Augen“ betrachten. So stand es auf Seite 1. Vielleicht hat das etwas mit Pegida zu tun, dem „Lügenpresse“-Geschrei und dem Hass, der sich seit Monaten auf Dresdner Leserbriefseiten entlädt. Vielleicht aber auch nicht. Die „Sächsische Zeitung“ will stärker auf gönstrüktiven Journalismus und positive Nachrichten setzen. Damit ihre Leser das auch merken und KJ von BMPJ unterscheiden, gibt es ein Logo, einen grünen Smiley zwischen zwei Muffköppen, daneben der Satz: Gut zu wissen. Die Leser werden an die Hand genommen. Ältere Journalisten dort erinnert es etwas an vor 1989.

Ein Bericht über einen Biobauern, der Biorinder hält, aus denen Biorindfleisch wird: „Gut zu wissen.“ Ein bluterkranker Junge, der ein Praktikum in einem Biotech-Unternehmen macht: auch gut zu wissen. Täter ermittelt, der die Scheiben des sächsischen Justizministers einwarf: kein Logo. Nicht gut zu wissen? Oder: Soljanka-Kochen leicht gemacht, DDR-Kochbücher bleiben gefragt: auch kein Smiley. Hat das Blatt etwas gegen DDR-Kochbücher oder sinnvolle Wurstresteverwertung?

Man sieht: Alles nicht so einfach, auch Journalismus nicht. Tatsächlich: gut zu wissen.

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