+
Die Liste der von Orthofer besprochenen Bücher ist von 3690 im Februar 2016 auf 4500 (Stand: 6. Januar 2020) angewachsen.

Times mager

Der Leser M. A. Orthofer

  • schließen

4500 Titel sind es bis heute, die der österreichische Amerikaner und Powerleser Orthofer besprochen hat. Und nur ein „F“ gibt es bis heute.

Am 19. Februar 2016 war an dieser Stelle schon einmal von dem Powerleser und -beurteiler M. A. Orthofer und seiner „Complete Review“ die Rede. Das Jubiläum der Webseite complete-review.com (Gründung im April 1999) haben wir leider verpasst, aber nun wurde es höchste Zeit, einmal wieder nachzusehen, was der österreichische Amerikaner so die letzten Jahre getrieben, das heißt, geschätzte 25 Stunden am Tag, gelesen und beschrieben hat.

Jedenfalls ist die Liste der von Orthofer besprochenen Bücher von 3690 im Februar 2016 auf 4500 (Stand: 6. Januar 2020) angewachsen – das kann man für viel halten, ja für sehr viel, wenn man zu den Leuten gehört, die mit anderthalb Büchern pro Jahr eigentlich gut auskommen. Es gab allerdings Zeiten, da der gelernte Jurist auf 250 Titel pro Jahr kam.

Nun, er widmet sich inzwischen auch dem Twittern (nicht ohne mitzuteilen, dass er immerhin nicht bei „Facebook, MySpace, LinkedIn, etc“ sei). Er twittert in Sachen Bücher, gewiss, aber wir möchten es trotzdem für eine Zeitverschwendung halten. Zum Beispiel teilt er mit: „Brauche ich wirklich ein Exemplar des Briefwechsels Willem Frederik Hermans–Gerard Reve? Ja, das tue ich. Ja, das tue ich.“ Oder, erst vor Stunden (hier sinngemäß übersetzt): „Konnte dem Antiquariats-Buchverkauf nicht widerstehen, wo (bis 6. Januar) ab vier Exemplaren 30 Prozent Rabatt gegeben wird. Konnte bei vier nicht aufhören (wie ich mir geschworen hatte).“ Alles andere hätte uns aber auch gewundert und tatsächlich den Verdacht geweckt, dass Mr. Orthofer nicht mehr ganz der Alte ist.

Gut gebrauchen könnte ihn, ob es nun 250 oder nur 175 Bücher im Jahr sind, das Nobelkomitee. Denn was er an Literatur nicht entdeckt, hat es vermutlich wirklich nicht verdient. Die zuletzt von ihm Besprochenen: Mihail Sebastian, Marion Poschmann, Marcial Gala, Shokoofeh Azar, Brigitte Reimann, Edogawa Rampo, Donna Zuckerberg, Rodrigo Fresán, Barry N. Malzberg, Jan Kjærstad, Nicholas Mosley … Er ist multikulturell, der Herr Orthofer, er liest auch nicht nur Englisch.

Als Leser greift er sich alles; als Kritiker freilich möchten wir ihn milde, wenn nicht ein wenig schlapp nennen. Vergibt er doch zwischen A und F weit überwiegend Bs. Und noch immer (4500!) hat Orthofer nur ein einziges F (für „abgrundtief“) in der Übersicht: an „Rimbaud der Sohn“ von Pierre Michon. Mittlerweile kann man sich fragen, was dieses Buch ihm getan hat, dass es mutterseelenallein beim F stehen muss.

Unter den 20 Sachbüchern, die von Orthofer seit 1999 ein A erhalten haben, findet sich übrigens „Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat“ von Pierre Bayard. Hm. Wir wollen jetzt mal nicht misstrauisch werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion