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Einen hat Stammgast R. gerne gelesen: Stephen Hawking.
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Einen hat Stammgast R. gerne gelesen: Stephen Hawking.

Times mager

Lesen

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Wer ins Kaffeehaus geht, trifft oft auch auf Menschen, die ein Buch mit sich führen. Da kommt es natürlich auch zu Gesprächen über das Lesen.

Im Kaffeehaus wird wahnsinnig viel gelesen. Manch ein Stammgast zieht, kaum sitzend, sein Buch hervor und lässt den Blick nicht mehr davon, bis der Kaffeehausbesitzer zum Feierabend mahnt. Sogar, wenn es zum ungeplanten Gespräch mit einem anderen Stammgast kommt, verharrt das Buch in der Hand und der Blick auf ihm.

Es gibt auch Paare, die sich offensichtlich entschieden haben, aus dem gemeinsamen Schweigen ein bewusst herbeigeführtes Ereignis zu machen, bevor es zum unerwünschten Dauerzustand wird. Sie nehmen je eine Zeitung aus dem Ständer und studieren sie intensiv, manchmal einander Fundstücke aus einem gerade genossenen Text zurufend, dann wieder versinkend, jeder für sich und doch miteinander verbunden.

Es bleibt nicht aus, dass es auch zu Gesprächen über das Lesen kommt. Nicht nur über das Gelesene, das auch, denn nicht selten ist es der Kaffeehausdirektor, der seine freundliche Neugierde nicht bezähmen kann und den Kaffee persönlich reicht, um einen Blick auf den Buchdeckel des Stammgasts werfen zu können.

Aber auch über das Lesen als solches tauscht sich der Kaffeehausgast, wenn er nicht gerade liest, gerne mal aus. Sogar ein angebliches Zitat des Philosophen Michel de Montaigne war jüngst zu hören, und zwar von einem der älteren Gäste, der es direkt aus dem Internet verlas: „Es ist leichter, das Buch zu behalten, als das, was drinnen steht.“

Widerspruch kam hier nicht auf, aber Stammgast R., der ansonsten den gesamten Inhalt der örtlichen Presse inhaliert (und, wie es scheint, jedes Detail behält), wandelte das Thema ab: Er habe am Lesen des neuesten Werkes von Sahra Wagenknecht keine rechte Freude gehabt, obwohl er zunächst sehr beglückt gewesen sei, damit beschenkt worden zu sein. Es liege weniger am Inhalt als vielmehr an einer gewissen Sperrigkeit des Stils oder auch an seiner, R.’s, eigener Disposition.

Sehr gern, fuhr Stammgast R. fort, habe er dagegen Stephen Hawking gelesen. Er habe zwar während des Lektürevorgangs das Gefühl gehabt, kein Wort zu verstehen. Im Nachhinein aber komme es ihm so vor, als habe ihn das Buch gedanklich bereichert: „Ich kann jetzt etwas anfangen mit Quantenphysik.“ Was niemanden wunderte, Stammgast R. ist schließlich Fußpfleger von Beruf. Am Nebentisch murmelte einer, er müsse mal seinen Orthopäden fragen, ob der etwas von Quantenmechanik verstehe.

Aber das war natürlich unter dem allgemeinen Niveau der lesenden Kaffeehausgemeinde, die sich umstandslos wieder ihrer Lektüre widmete und schwieg.

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