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Mitunter tun sich Abgründe auf: Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat sich die Arbeit gemacht und von Bisky bis Westerwelle 24 Politiker nach ihrer Ferienlektüre befragt. Von Arno Widmann

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat sich die Arbeit gemacht und von Bisky bis Westerwelle 24 Politiker nach ihrer Ferienlektüre befragt. Ich lese solche Umfragen gerne, käme aber nie auf die Idee, sie zu machen. Ich lese sie gerne, weil sich zum Beispiel herausstellt, dass ein Viertel der Befragten sich mit Krimis an den Strand, ins Bett oder in einen südfranzösischen Liegestuhl setzen wird. Von vier Befragten der Linken haben sich alle außer Lafontaine, der Wladimir Kaminer und Alfred Gulden lesen möchte, Krimis ins Feriengepäck gelegt.

Ich frage ungerne, weil ich bei manchen Antworten die größten Schwierigkeiten hätte, höflich zu bleiben. Nehmen wir zum Beispiel Frau Silvana Koch-Mehrin, FDP und Fraktionsvorsitzende im Europa-Parlament. Sie empfiehlt ein Buch, in dem Politiker über Journalisten schreiben. Schon das hört sich so an, als würde sie überhaupt nicht lesen. Dann weist sie noch darauf hin, dass sie den Band auch noch um einen eigenen Beitrag bereichert hat. Frau Koch-Mehrin predigt, wo sie geht und steht, die Senkung der Sozialbeiträge und die Eigenverantwortung der Bürger. Wie sie selbst es damit hält, weiß ich nicht. Aber auf die Eigen-Reklame versteht sie sich. Auch ihr Partei-Kollege Rainer Brüderle tut sich etwas schwer mit der Lektüre. Er hat sich das enorme Pensum der Zigarettengespräche von Di Lorenzo und Helmut Schmidt vorgenommen. Vielleicht liegt es am Wahlkampf, den er schon in die Sommerferien vorverlagert.

Dem Parteivorsitzenden der SPD Franz Müntefering dagegen sei zu seiner Wahl herzlich gratuliert: Wilhelm von Sternburgs Joseph-Roth-Biographie ist etwas für Leute, die mit Vergnügen schlauer werden wollen. Der Vorsitzende der Landesgruppe der CSU, Peter Ramsauer, liest "Anders ist besser" von Noch-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Ramsauers Begründung muss zitiert werden: "Ich will bei Wiedeking nachlesen, wie jemand, der zunächst der Politik die Leviten liest, hernach zum milliardenschweren Bittsteller beim Staat werden kann. Ich verspreche mir davon, dass ich nach Lektüre dieses Buches solche belehrenden Manager noch härter bei ihren eigenen Worten nehmen kann."

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