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Times mager

Lesekreis

Ein Facebook-Lesekreis-Fall von Mark Zuckerberg persönlich erinnert auf fabelhafte Weise daran, dass man ein Buch auch durchlesen muss.

Im Nachhinein stellt sich manchmal doch die Frage, was nützlicher war: die Seminare am Institut für Neuere Deutsche Literatur oder der private Lesekreis. Gegründet allerdings, weil ein Professor im Proseminar im Rückblick auf seine frühen Jahre genau dieselbe Frage stellte. Und man immerhin schon wusste, was eine rhetorische Frage ist. Aus der Schule.

Als Facebook-Gründer Mark Zuckerberg Anfang des Jahres auf Facebook einen Lesekreis gründete, waren gleich mal 250 000 Leute dabei. Einige englischsprachige Literaturkritiker waren ganz euphorisch und riefen eine neue Ära des gemeinschaftlichen Lesens aus. Amazon war auch ganz euphorisch, weil das Interesse am ersten von Zuckerberg vorgeschlagenen Buch hochschnelzte. Moisés Naíms „The End of Power“, eine Studie über den schnellen Machtgewinn und Machtverlust in einer rasend schnell wirkenden Zeit. Das Thema passt natürlich wahnsinnig gut zu Facebook.

Die Beteiligung war flau

Nun rief Zuckerberg zur ersten Frage-und-Antwort-Gesprächsrunde auf. Es zeigte sich, dass die Beteiligung auf einmal eher flau war. „Kaum einer tauchte auf, und von denen, die auftauchten, hatte kaum einer das Buch gelesen“, schrieb die „Washington Post“. Die 137 Fragen (viel für ein Seminar und einen Lesekreis, wenig für das Internet) gingen eher in die Richtung: Wo kann ich Fragen stellen, wenn ich Fragen zu Facebook stellen will? Wo kann ich das Buch illegal herunterladen? Ferner ging es laut „Washington Post“ um Religion, Geld und Krieg. Freilich sind das die Sachen, über die im Internet meistens geredet wird, wenn über irgendwas geredet wird.

Nun sind die Kritiker der euphorischen Literaturkritiker am Zuge und machen sich darüber lustig, dass es Mark Zuckerberg nicht gelungen ist, mehr Nutzer zu aktivieren. Dass offensichtlich die Facebook-Technik selbst dabei eine Rolle spielte, macht es nicht besser. Für Zuckerberg.

Aber eigentlich geht es natürlich um etwas anderes. Der Fall erinnert auf fabelhafte Weise daran, dass man ein Buch durchlesen muss, nach allem anderen, das ja ebenfalls interessant und abwechslungsreich ist (vorschlagen, wählen, ansprechend finden, kaufen, klauen, laden, aufschlagen). „The End of Power“ hat 320 Seiten. Selbst schnell zu lesen, sagen wir mal, geht immer nur so halb schnell, dauert also auch ziemlich lang. Darum wird bereits gehadert, ob Zuckerberg seinen Lesekreisfreunden zu viel zugemutet hat. 22,8 Seiten am Tag.

Sahil M. dagegen wollte gestern von Zuckerberg nur wissen: „Second book?“ In der Tat, 14 Tage sind um. Leser sind sehr cool.

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