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Bücher lieber im Regal behalten oder nicht?
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Bücher lieber im Regal behalten oder nicht?

Times mager

Lese-Bestand

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Bücher: man kann gewisse Bücher bitter vermissen, auch wenn man sie gar nicht mehr liest.

Früher war nicht alles besser, aber man erkannte die Taschenbücher von dtv, Suhrkamp oder Rowohlt schon aus weiter Entfernung. Auch wartete die vernünftige Kundin auf das Erscheinen des Taschenbuchs. Später kaufte sie kecker ein. Abwechselnd wurden neue Bücher und neue Billigmarkenregale angeschafft. Es war ein ruhiger und friedlicher Ablauf.

Diesen durchkreuzten nun zwei dicht miteinander zusammenhängende Ereignisse, denen eine bestimmte Anzahl Bücher zum Opfer fiel. Vielmehr eine unbestimmte Anzahl, wegen des Zermatschungsgrades im Zusammenhang mit dem zweiten Ereignis. Die Inventarisierung der übrigen Bücher, der großen Mehrheit zum Glück, klärt erst allmählich, was genau fehlt. Es ist vornehmlich der Bestand an klassischen Penguin-Classics-Ausgaben, alle sorgsam durchgelesen, dies und das mit Bleistift angestrichen, was auch nicht jedes Buch auf dieser Welt von sich sagen kann.

Aber welche Schlüsse soll man daraus ziehen? Es hat offensichtlich keinen Sinn, die Bücher noch einmal zu kaufen, da niemals im Leben wieder Zeit sein wird, sie alle erneut zu lesen. Hinzu kommt, dass die gleichen Bücher kaum mehr zu haben sind.

Auch Penguin modifiziert seine Umschlagskonzepte allenthalben und behält zwar seine einmalige Anmutung – seit neuestem in einer Taschenbuchreihe des deutschen Ablegers, unwiderstehlich –, aber doch in unerfreulich unterschiedlichen Ausprägungen. Charles Dickens’ „Bleak House“ muss selbstredend mit Abraham Solomons erschütterndem Gemälde „Waiting for the Verdict“ versehen sein, im Vordergrund eine Frau, in deren erschöpftem, sorgenvollem Blick sich alles Elend des einzelnen Menschen spiegelt, der fremden Mächten ausgesetzt und unterworfen ist. Dieses Buch ist lediglich antiquarisch zu haben, aber ist es nicht noch absurder, fremde Lesespuren in einem Buch zu finden, das man selbst nicht lesen wird?

Jetzt wenden Sie ein: Was macht das für einen Unterschied? Und verstehen Sie denn wirklich, was Sie vor langer Zeit in einem Buch angestrichen haben? Selbstverständlich macht es einen Unterschied, und selbstverständlich versteht niemand mehr, was er vor so langer Zeit einmal in einem Buch angestrichen hat.

Wir halten fest: Die Welt ist umgekehrt auch nicht dadurch besser geworden, dass Verlage ihre Taschenbuchumschläge veränderten. Und: Man kann etwas bitter vermissen, das man nicht mehr verwendet. Dazu ein Mysterium: Wieso ist jetzt schon klar, dass die Bücher trotzdem niemals wieder in diese Regale passen werden? Haben sich obdachsuchende Bücher in den Kisten versteckt? Fortsetzung folgt.

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