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Kolumne

Lernfähigkeit

Kinder, das ist ganz einfach zu sehen, bedürfen dringend des Schutzes durch pädagogisch geschulte Klavierlehrer und besonnene andere Erwachsene. Doch während der Industriellen Revolution im frühen 19. Jahrhundert zählte England mehr als eine Million Kinderarbeiter.

Kinder beim Klavierüben zu beobachten, ist rührend und nervtötend. Es mangelt ihnen vielleicht an Übersicht, nicht aber an Lernfähigkeit und Ausdauer. Beim Eisessen kam das Gespräch dann auf das Thema Wildnis. Diese, erläuterte die kleine kluge Nichte, sei nur gefährlich, wenn es dort wilde Tiere gebe. Ansonsten gehe man eben weg. Den Einwand, dass eine Wildnis zu groß dafür sein könnte – ein schonend vorgebrachter Einwand, in dem Worte wie Im-Kreis-Laufen, In-ein-Loch-Fallen, Verhungern, Verdursten nicht fielen –, ließ sie nicht gelten. Die Wildnis könne ja wohl kaum länger sein als diese Straße, sagte sie mit dem Mitleid jener, die im Bilde sind.

In einer solchen Aussage treffen aufeinander: die Leichtfertigkeit der Städter, die schon manchen von ihnen im Gebirge das Leben kostete; Ansätze von Vernunft, denn in gefährlichen Situationen ist es wahrlich besser, nicht den Teufel an die Wand zu malen; ein hier nun verheerender Mangel an Überblick. Auch Unerfahrene können daraus ersehen, dass Kinder von acht Jahren dringend des Schutzes durch pädagogisch geschulte Klavierlehrer und besonnene andere Erwachsene bedürfen.

Ein paar Tage später war in der Tageszeitung Independent von einer Studie über Kinderarbeit im England der Industriellen Revolution zu lesen. Bereits im frühen 19. Jahrhundert hatte England demnach mehr als eine Million Kinderarbeiter, darunter 350.000 Sieben- bis Zehnjährige. Kinder stellten einen Anteil von 15 Prozent der Arbeiterschaft. Fabrikbesitzer, erklärt die Autorin Jane Humphries, „suchten nach billigen, formbaren, schnell lernenden Arbeitern“. Billig heißt, dass sie keinen Lohn bekamen.

Man muss einen Tageszeitungsleser sicher nicht darauf aufmerksam machen, dass sich die Problematik unterdessen bloß in von uns aus gesehen ferner gelegene Regionen verlagert hat. Dass aber sehr großer wirtschaftlicher Erfolg und Wachstum (lustiges Wort in diesem Zusammenhang), an die wir weiterhin unser Wohl und Wehe hängen, nur auf hohe Kosten eines nicht geringen Teils der Bevölkerung möglich sind, wollen wir uns auch in den Sommerferien erneut hinter die Ohren schreiben.

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