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Die Schauspieler (v.l.) Jürgen Stössinger, Aurel Manthei, Katharina Pichler und Bibiana Beglau bei einer Probenszene des Bertolt Brecht-Stücks "Baal" im Residenztheater in München.
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Die Schauspieler (v.l.) Jürgen Stössinger, Aurel Manthei, Katharina Pichler und Bibiana Beglau bei einer Probenszene des Bertolt Brecht-Stücks "Baal" im Residenztheater in München.

Times mager

Legalize Baal

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Ob Cannabis oder Regietheater-"Baal": Beides hat seine auch vor Gericht wehrhaften Gegner, in beiden Fällen gilt es, Klarheit zu schaffen. Klarheit schaffen ist in Verbindung mit Drogen eine hübsche Formulierung.

Es gibt kulturelle Kämpfe, die einen über Jahrzehnte begleiten und vor denen man erschrickt, wenn sich plötzlich eine Lösung oder auch nur eine geringfügige Veränderung ankündigt. In diesem Sinne kann man das strikte Cannabis-Verbot als gesellschaftliche Konstante beschreiben.

Selbst eine üppig entwickelte Gegenkultur vermochte den Gesetzgeber doch nicht dazu zu bewegen, dem Wachstum der schlanken grünen Pflanzen ihren freien Lauf zu lassen. Alle Bemühungen, wenigstens eine Art Gleichstellung zum mehr oder weniger schädlichen Alkohol hinzubekommen, scheiterten.

Aber irgendwann ist es auch mal gut. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortier, will den Cannabis-Konsum für Schwerkranke zu einer Kassenleistung machen. Chronisch kranke Schmerzpatienten, die Cannabis zur Linderung brauchen, geraten allzu schnell ins Visier polizeilicher Ermittlungen. Marlene Mortier will das ändern und „schnell Klarheit schaffen“.

Klarheit schaffen ist in Verbindung mit Drogen eine hübsche Formulierung, die auch auf einen anderen Kulturkampf angebracht wäre. Aber da liegt der Fall womöglich noch schwieriger, gerade weil weitgehend Klarheit herrscht. Denn in der Auseinandersetzung um die Inszenierung des Erstlingswerks „Baal“ von Bertolt Brecht am Münchner Residenztheater, deren weitere Aufführung der Berliner Suhrkamp Verlag nun unterbinden will, sind die meisten Dinge bekannt und geklärt. Was Frank Castorf am Theater und mit ihm macht, ist selbst jenen nicht verborgen geblieben, die lieber Aufführungen des Hamburger Ohnsorg-Theaters und dessen Vorstellungen von Werktreue beiwohnen.

Die Haltung der Brecht-Erben ist klar

Genauso klar und bekannt ist indes auch die Haltung der Brecht-Erben. Auf den ach so weiten Feldern, auf denen kulturelle Reinheit bestellt wird, gilt die Bezeichnung Brecht-Erben längst als Synonym für eine erbittert kämpfende Einheit zur Verteidigung und Bewahrung des Dichterwortes.

Belehrungen darüber, dass Regie auch Neuauslegung oder ästhetische Transformation ist, entstammen einer Vorstellungswelt, die in den juristischen Kategorien der Verwalter von Urheberrechten nur als Stoff zur Verteidigung des heiligen Textes wahrgenommen werden können.

Das Berliner Theatertreffen, zu dem Castorfs „Baal“ bereits eingeladen ist, könnte nun zum Schauplatz einer Legalize-Debatte werden, auf dem die beachtlichen Geschütze einer sehr betagten Diskussion um das Regietheater noch einmal in aller Vielfalt aufgefahren werden. Okay, wem’s gefällt. Für alle anderen aber ist es bestenfalls bekifft zu ertragen.

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