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Das ungeliebte, äh, -gelebte 2021 unterschied sich dabei nur insofern von 1987ff, dass der Vorsatz, nicht jede halbe Stunde zum wegen Homeoffice allzu nahen Kühlschrank zu schlendern, in der Vorsatz-Liste ganz oben stand.
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Das ungeliebte, äh, -gelebte 2021 unterschied sich dabei nur insofern von 1987ff, dass der Vorsatz, nicht jede halbe Stunde zum wegen Homeoffice allzu nahen Kühlschrank zu schlendern, in der Vorsatz-Liste ganz oben stand.

Times mager

Leben

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Auch 2022 muss wieder gelebt werden, höchstens wird es wegen Corona ungeliebt bleiben.

Und uneigentlich?“ kam prompt Mutters Rückfrage, wenn das Kind behauptete, es habe „eigentlich“ das Zimmer aufräumen, die Hausaufgaben machen, die Tante anrufen wollen – aber das Wetter sei einfach zu schön für solche Tätigkeiten. Das Kind wusste darauf keine rechte Antwort.

Ein Kollege der „Welt“ erfand aus aktuellem Anlass (ein Jahreswechsel) kühn das Jahr, das „eigentlich“ nicht gelebt worden sei. Er meinte natürlich 2021.

Erstaunlich, was also quasi nicht zum Leben zählt oder jedenfalls nicht zu einem eigentlich und tatsächlich gelebten Leben. In den Bayerischen Wald reisen statt zum Ballermann. Mit der Freundin im Taunus spazieren gehen statt hinterm Sherpa Tibets Berge hochschnaufen. Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ lesen statt alle Kino-Sequels dieser Welt gucken und sich über laute Popcorn-Knusperer ärgern. Gute Vorsätze treffen und diese wie schon in den gelebten Jahren 1987 bis 2020 zu hundert Prozent nicht in die Realität umsetzen. Oder sagen wir: zu 99,7 Prozent, denn ein- oder zweimal wurden Anfang Januar die Sit-ups und Liegestütze gemacht, die Zähne geflosst, das zu Weihnachten erhaltene Trimmrad bestiegen, ein oder zwei Tage wurde auf Süßes verzichtet, auf Alkohol vielleicht drei. Das ungeliebte, äh, -gelebte 2021 unterschied sich dabei nur insofern von 1987ff, dass der Vorsatz, nicht jede halbe Stunde zum wegen Homeoffice allzu nahen Kühlschrank zu schlendern, in der Vorsatz-Liste ganz oben stand. So dass er vier Tage hielt.

2021 gehörte es zum uneigentlichen, sich aber seltsamerweise durchaus real anfühlenden Leben (ist das schon Mark Zuckerbergs Metaverse?), in der Warteschlange zum Schnelltest zu stehen, sich dafür aber die Zeit fürs Lippen-Nachziehen zu schenken. Ausstellungen ohne Gedränge vor den Bildern besuchen zu können. Und auch der einzige Kauf eines Bahntickets erfolgte entspannt an einem Schalter, wo einen die Bahnangestellte begrüßte wie die lange verlorene Tochter.

2021 gehörte es auch zum uneigentlichen Leben, dem Sechsjährigen zu zeigen, wie er eine Kindermaske korrekt anlegt. Beziehungsweise erst einmal nach einer Kindermaske zu suchen, im Internet und in der Apotheke. Es gehörte dazu, für die Tante einen witzigen Abreißkalender zu kaufen, damit sie nicht nur jeden Tag was zu lachen hat, sondern auch (wenigstens symbolisch) an 2022 rupfen kann, wenn es sie ärgert.

Und davon ist auszugehen, dass 2022 ärgern wird, den einen mehr, die andere weniger. So wie jedes Jahr seit Beginn der Zeitrechnung, egal welcher. Und trotzdem lebt man es, dieses Jahr, lebt es sowohl eigentlich als auch uneigentlich. Denn hat man eine Wahl? Höchstens kann man sich auch 2022 wieder den Impfstoff aussuchen.

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