Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Natalie Soondrum ist Online-Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.
+
Natalie Soondrum ist Online-Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Rundschau.

Kolumne

No Leak Today

Warum will die Feministin Naomi Wolf, dass die Öffentlichkeit die Namen von Fräulein A und Fräulein W erfährt? Die beiden klagen Julian Assange wegen sexueller Nötigung an. Und ist Schweden nicht progressiv, dass die beiden auf so großes Echo stoßen? Nein, sagt Naomi Wolf, es tut nur so.

Von Natalie Soondrum

Mein Name ist Lisa Burnett, ich bin 31 Jahre alt und ich habe einen Abschluss mit Auszeichnung von einer der besten Unis dieser Welt – und mein Mann behandelt mich wie eine Vollidiotin.“ Das sagt eine Frau im Film „We Want Sex“ (siehe Besprechung gegenüber) über den erfolgreichen Kampf britischer Arbeiterinnen um Gleichstellung, der heute in Deutschland anläuft und dessen Titel Verachtung gegenüber seinem Inhalt ausdrückt.

Weniger offensichtlich ist dagegen der Missbrauch, den Schweden mit dem Thema sexuelle Gewalt im Fall Julian Assange betreibt. Man muss etwas genauer hinsehen, um zu verstehen, was die US-amerikanische Feministin Naomi Wolf meint, wenn sie verlangt, dass die beiden Frauen, die Assange sexuell genötigt haben soll, offiziell namentlich genannt werden. Wolle man sie, ja frau überhaupt, für voll nehmen, sei das unabdingbar.

Bisher werden die beiden in der Presse mit „Fräulein A“ und „Fräulein W“ tituliert, seit der britische Guardian in einem „Leak“ den schwedischen Polizeibericht veröffentlichte. Aus ihm ist zu erfahren, dass beide freiwillig mit Assange Sex hatten, und er ihre Einwilligung ausgenutzt hätte, um sie zum ungeschützten Verkehr zu überlisten.

Naomi Wolf hat bereits bei Assanges Verhaftung im Dezember gesagt, dass sie in 23 Jahren Engagement für Opfer sexueller Gewalt nie gehört habe, dass die Polizei a) einen solchen Fall von Nötigung überhaupt für wert gehalten hätte, zu Protokoll zu nehmen, und b) aufgrund eines solchen eine internationale Fahndung ausgeschrieben worden wäre. Laut eines Berichts von Amnesty International von 2008 sei es statistisch wahrscheinlicher, dass eine Frau in Schweden an Brustkrebs erkrankt oder Opfer eines Autounfalls wird, als dass sie im Falle ihrer Vergewaltigung von einem Gericht angehört wird.

Folgen wir Wolfs Logik, ist der wahre Grund, weshalb Opfer sexueller Gewalt geschützt werden müssen und also nicht namentlich genannt werden dürfen, dass die überwältigende Mehrzahl der Täter ungeschoren davon kommt. Warum also nicht Julian Assange? Genau – weil er noch etwas ganz anderes getan hat.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare