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Will man Klavier spielen lernen, erfordert das Disziplin.
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Will man Klavier spielen lernen, erfordert das Disziplin.

Times mager

Langeweile

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Heute nennen wir es Zeitmanagement, die ältere Generation sprach noch vom Zeiteinteilen.

Als unsereins jung war, sagten uns die damals Altvorderen, wir sollten uns unsere Zeit gut einteilen. Unsereins hat das damals nicht verstanden, denn die Zeit schien sich ganz von selbst einzuteilen in Fußball, Klavierunterricht und Langeweile, von Schule und Essen mal abgesehen. Fernsehen war damals noch verboten, unsereinem jedenfalls.

Für die Jungen der Gegenwart: Unter „Zeit einteilen“ müssen unsere Altvorderen etwa das verstanden haben, was ihr heute „Zeitmanagement“ nennt. Unsereins weiß nicht genau, ob ihr sogar die Stunden eurer Langeweile schon vor dem Einschulen in den Outlook-Kalender eintragt oder ob es, entgegen unserem oberflächlichem Eindruck, in eurem Leben und eurem Kalender noch Lücken gibt, die sich dann ganz automatisch mit Langeweile füllen, falls ihr überhaupt wissen solltet, was Langeweile ist.

Wenn nicht: Es ist, offen gesagt, nicht ganz einfach, diesen Zustand vorsätzlich herbeizuführen. Er besteht im Großen und Ganzen darin, dass man sich plötzlich so fühlt, als habe sich die Zeit verlangsamt und eine Minute, eben noch kurz wie ein Wimpernschlag, dauere plötzlich eine ewig lange Weile. Wenn ihr es versuchen wollt: Beeilt euch (das habt ihr ja gelernt), denn beim Älterwerden wird jede Weile, so lange sie auch dauert, erschreckend kurz, wenn auch nicht unbedingt kurzweilig.

Vielleicht ist so ein langes Wochenende (freier Brückentag mal vorausgesetzt) gar nicht der schlechteste Zeitpunkt für Langeweile, denn Donners- und Freitage legen sich ja auch nicht so oft lang und breit und arbeitsfrei vors Wochenende wie jetzt.

Allerdings brauchen Sie zum Langweilen Disziplin, denn die Kurzweil lauert überall. Jüngst warb ein Fernsehsender für seine über mehrere Feiertage ununterbrochen auszustrahlende Abfolge mehr oder weniger abgestandener Filme mit der Offenbarung: „Sie werden keine freie Minute haben!“ Und das war, verstehe es, wer will, offensichtlich als positive Aussicht gemeint.

Unsereiner erinnerte sich an den Mann aus der Nachbarschaft, der, mit palettenweise Bierdosen und Chipstüten aus dem Supermarkt kommend, die Frage, wie es gehe, mit „Na ja, Chips halt“ beantwortet hatte. Prompt ging unsereiner in den Supermarkt, besorgte Chips und Bier und experimentierte sich für drei volle Tage auf die Couch, bei laufendem Fernseh-Filmprogramm.

So kam es dazu, dass unsereins sich zum ersten Mal seit der Klavierstunde wieder richtig gelangweilt hat. Und mit jedem Film dehnte sich die Zeit noch weiter in den Raum. Herrlich!

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