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Selbst ein Garderobenständer tanzte in einem Fred-Astaire-Film eleganter als Golden-Globe-Gewinner Ryan Gosling mit Emma Stone in „La La Land“.

Times mager

La La Land

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Die Golden Globes haben „Toni Erdmann“ vernachlässigt - und glänzen mit Nachahmungen.

Was, Toni Erdmann geht leer aus? Ja, geht denn inzwischen in den USA jede Wahl daneben? Machen wir uns nichts vor: Weniger noch als die Oscars, deren Anwärter erst am 24. Januar bekannt gegeben werden, waren die Golden Globes je als Filmkunstpreise bekannt.

Das Handwerk genießt bei beiden Wettbewerben im Zweifelsfall einen höheren Stellenwert, gerne auch das Kunsthandwerk, das mit der Komödie „La La Land“ Triumphe feierte: Mit sieben Preisen erhielt Damien Chazelles Musical mehr Anerkennung als jeder andere Bewerber in der Golden-Globe-Geschichte.

Ordentlich zusammengebaut nach Stilvorgaben der Vergangenheit, lässt sich über das Retro-Stück das gleiche sagen wie über das Berliner Stadtschloss. Ähnlich wie der Neo-Stummfilm „The Artist“ ist „La La Land“ hübsch anzuschauen, aber keinem seiner historischen Vorbilder ebenbürtig. Selbst ein Garderobenständer tanzte in einem Fred-Astaire-Film eleganter als nun Golden-Globe-Gewinner Ryan Gosling. Man kann sich nicht ganz vorstellen, dass die Mitglieder der Filmakademie ebenso überschwänglich auf diesen Film reagieren werden, immerhin gibt es dort keine eigene Kategorie für „Komödie/Musical“.

Umso aufmerksamer darf man die weitere Karriere des Golden-Globe-Gewinners in der Drama-Kategorie verfolgen. Auch wenn wir „Moonlight“ noch nicht sehen konnten – wie übrigens auch die meisten Amerikaner, denn der Kinostart wurde bislang strategisch klein gehalten: An Barry Jenkins’ Verfilmung eines erfolgreichen Theaterstücks um die Selbstfindung eines homosexuellen Afroamerikaners wird die Academy kaum vorbeikommen.

Eines aber haben die Golden Globes den Oscars in jedem Fall voraus, und das sind ihre Fernsehpreise. Hier sind sie tatsächlich Trendsetter, zumindest für alle, die noch nicht bei Netflix angemeldet sind. „The Queen“ gewann in der Kategorie „beste Serie“, eine königliche Seifenoper. Man wüsste gerne, ob der Buckingham Palast trotz aller Reserviertheit über ein Abonnement verfügt, um heimlich den Blick zurück zu wagen: Ins Jahr 1947, zur Hochzeit Elisabeths. Und auch die als beste Comedy-Serie ausgezeichnete Sitcom „Atlanta“ ist in Deutschland nur im Zahl-Programm zu sehen, bei Fox-TV.

Nicht nur Hip-Hop-Fans imponieren die von Hauptdarsteller Donald Glover selbst inszenierten Abenteuer eines Müßiggängers. Anders als im Fall von „The Queen“ wird hier der Mut zur Einfachheit belohnt und etwas ausgezeichnet, das nicht etwas gleicht, das es schon gibt. Wie das meiste, das man sonst so produziert in L.A., auch bekannt als „La La Land“.

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