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Lamettaforen

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Von: Thomas Stillbauer

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Schön oder hässlich? Der Frankfurter Weihnachtsbaum auf dem Römer.
Schön oder hässlich? Der Frankfurter Weihnachtsbaum auf dem Römer. © dpa

Frankfurter können gar nicht anders, als über den kommunalen Christbaum zu lamentieren. Aber ein solches Bild des Jammers war noch nie.

Adventszeit. Weihnachtszeit. Bringt erstens Gnade, zweitens sumpfnasses Herbstlaub und drittens Ärger beim Aufstellen kommunaler Christbäume. Fangen wir hinten an.

Drittens. Bremen benötigte diesmal drei Anläufe, um einen Nadelbaum auf seinen Weihnachtsmarkt zu wuchten. Dem zunächst erwählten Exemplar entbrachen die Äste, der folgende Stamm musste geschreddert werden, weil er einen Riss hatte, und über Baum Nr. 3 spricht niemand mehr (jedenfalls nicht im Internet). Gehen wir zugunsten der Hansestadt davon aus, dass es rechtzeitig zur Eröffnung am Montag geklappt hat, dreimal ist schließlich Bremer Recht. Irgendwas Grünes wird da schon stehen/hängen. Es soll dort auch Fischgerichte in dieser Schattierung geben. Weiß ohnehin kein Mensch, was eine Tanne mit der Geburt des kleinen Jesus C. in Nahost zu tun haben soll.

Interessant am Rand: Bremen hat angeblich den am drittbesten besuchten Weihnachtsmarkt der Republik (schreibt der „Weser-Kurier“ – wenn man zwei große Bremer Märkte zusammenzählt, was natürlich aus Sicht der Konkurrenz fragwürdig ist), und zwar hinter: Köln und Stuttgart.

Ho, das dürfte aufhorchen lassen in Nürnberg, wo das Christkind persönlich seinen Markt hat, ebenso in Frankfurt samt Partnerstadt & Weihnachtsmarktfiliale Birmingham. Wenn wir diese beiden Lamettaforen nach Bremer Modell addieren würden … Andererseits: Der Frankfurter Baum bietet 2016 ein solches Bild des Jammers, dass Schweigen im Walde angebracht wäre, müsste hier nicht traditionell über kommunale Christbäume gemosert werden (Frankfurter Recht).

Zweitens. Laub- und Obstbäumen ist praktisch nichts vorzuwerfen. Sie reinigen unsere Luft, sie beherbergen unsere besten Freunde (Amsel, Rotkehlchen, Heldbock, Steinkauz, Hörnchen), sie versorgen uns mit Vitaminen und Kastanienmännlein. Das Einzige, was die prachtvolle Gesamtbilanz trübt, ist ihre Neigung, ausgerechnet im November ihr Blattwerk fortzuschmeißen, als wäre es des Teufels.

Ist es ja auch. Auf dem Trottoir sieht man alte Mütterchen mit Spazierstöcken staksen, völlig verschüchtert von der glitschigen Schicht. War’s früher das Glatteis, das uns im November lähmte, ist es jetzt das nassgeregnete Laub, es fläzt hienieden, uns das Standbein wegzureißen und, perfid, auch gern einen Hundehaufen zu verbergen. Fast scheint es, Ahorn und Buche schüttelten sich, ja, sie sprängen auf und ab, nur bloß alles wegzuschleudern – und warum? Weil ich im November mit Hofkehren dran bin!

Erstens: Gnade!

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