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Diese Maske, womoglich direkt aus einem Hyronimus-Bosch-Gemälde exportiert, ist definitiv des Teufels.

Times mager

Lächeln

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Auch wenn der Mensch mit Maske nur noch unvollständig als Ebenbild Gottes kenntlich ist, hat eine Nase-Mund-Bedeckung in der Konferenz mindestens einen Vorteil.

Neulich am Eingang zum kleinen Supermarkt. Drinnen an der Tür die Mitarbeiterin, die den Einlass kontrolliert. Draußen an der Tür der Kunde, vermummt. Bunt. Mit Tierchen auf der Maske. Mitarbeiterin: „Ah, schöne Maske!“ Kunde: „Nett von Ihnen! Schade, dass Sie nicht sehen können, wie ich jetzt lächle.“ Mitarbeiterin: „Doch, kann ich, an Ihren Augen.“ Jetzt werden Sie denken: Sehr nett, aber soll das alles sein? Massen von Menschen mit vermummtem Mund, das hat doch keine Art! Man könnte glatt zum Anhänger von Nino Vitale werden! Der hat sich einen sehr schönen Grund ausgedacht, warum Masken des Teufels sind.

Der Mensch, und das schließt zweifelsfrei das ganze Gesicht ein, sei das Ebenbild Gottes, sagt Nino Vitale, und die Katholische Nachrichtenagentur zitiert ihn weiter: „Dieses Bild werde nicht durch Arme, Brust oder Beine wiedergegeben, sondern durch das Gesicht.“

Noch mal zum Mitschreiben, das war etwas holprig: Sie, liebe Leserin, lieber Leser, sind ein Bild, das wiedergegeben wird. Aber nicht durch zweitrangige Extremitäten oder gar eine Brust, sondern direkt durch Ihr Gesicht. Nino Vitale ist ein republikanischer Abgeordneter in Ohio, und zu gerne sähe man mal sein Gesicht. Gott segne Amerika.

Ein Hamburger Unternehmer dagegen löst das Problem des zur Hälfte fehlenden Gesichts produktiv: Er druckt ein Foto von der lächelnden Mundpartie seiner Kundinnen und Kunden auf die Maske. Wenn Sie also jemanden mit eingefrorenem Stoffgrinsen sehen, wissen Sie warum, aber Sie müssen das nicht mit einem Lächeln verwechseln. Außer vielleicht bei „Kiezgröße Kalle Schwensen“ aus Hamburg, der der Deutschen Presseagentur anvertraute: „Ich bin Kalle Schwensen, und ich trage Kalle Schwensen. Das ist doch ganz klar.“

Klar, aber schauen Sie sich mal Kalle Schwensens Foto auf Wikipedia an. Und raten Sie, ob er darauf Maske trägt oder nicht. Keine Chance! „Nun warte er nur noch darauf, dass er von jemandem darauf angesprochen wird, dass er angeblich ja gar keinen Mundschutz trage, sagte er lachend“ (dpa) (haha).

Lassen Sie uns zum Schluss die Sache mal positiv betrachten: Erstmals, erzählte Kollegin X. (Name ist der Redaktion bekannt), habe sie in einer Konferenz ein Gesicht machen können, das exakt so gelangweilt gewesen sei wie sie selbst. Das ist gut, denn wenigstens in dieser Hinsicht schützt die Maske sowohl ihre Trägerin (Gesicht machen können) also auch die Personen im Umfeld (gelangweiltes Gesicht nicht sehen müssen). Und wer sich nicht dauernd beherrschen muss, ist sowieso ein glücklicherer Mensch. Aber woher soll Nino Vitale das wissen?

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