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Dating scheint heutzutage so leicht zu sein wie Carsharing.
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Dating scheint heutzutage so leicht zu sein wie Carsharing.

Times mager

Kuppelei

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Der Hanser Verlag beschloss, das Buch "Für eine Nacht oder fürs ganze Leben" ohne Berührungsängste in der Rubrik "Kennenlernen" zu bewerben. Muss man sich darüber nicht doch wundern?

Warum soll es noch zu einem unmittelbaren, ja unvermittelten Kennenlernen zwischen Leser/Leserin und dem Buch kommen, wenn ja das Buch selbst von der Vielfalt menschlicher Begegnungsformen erzählt, die durch eine Agentur oder das Internet, unterm Strich auf einem nicht direkten Wege angebahnt werden. Denn sieht der Kontakthof Buchhandlung nicht sowieso immer weniger niveauvoll aus?

So ungefähr mag der renommierte Carl Hanser Verlag wohl gedacht haben, dem auf seiner Homepage vollkommen bewusst ist, dass das Buch von Ursula März, „Für eine Nacht oder fürs ganze Leben“, davon „erzählt, wie die Liebeswahl auch in Zeiten der Singlepartys, der digitalen Kontaktbörsen, der gesellschaftlichen Freiheit unberechenbar bleibt“.

Um dem nachzukommen, der Kontaktanbahnung, und um wohl auch das Unberechenbare einer Buchkalkulation ein wenig zu mildern, hat der Verlag unter dem Titel „Fünf Dates in einem Buch“ Leser auf besondere Weise angesprochen. Das womöglich ist noch kein so erstaunlicher Vorgang, denn „heutzutage erscheint Dating so einfach wie Carsharing“ (Hanser Verlag). Alles eins, alles produzierbar, so dass der Verlag die Werbung für eine seiner literarischen Neuerscheinungen in dem Magazin der „Zeit“ unter der Rubrik „Kennenlernen“ platziert. Keine Berührungsängste also. Aber was heißt das?

Schließlich, äh, passt zu jedem Topf ein Deckel

Es hat tatsächlich nicht mit Eifersucht zu tun, etwa auf Einnahmen für andere Häuser, wenn man sich über eine solche Platzierung wundert. Wundert, obwohl es immer schon so war, dass zu jedem Er, der eine Sie sucht, oder zu jeder Sie, die ihn sucht, also zu jedem Topf ein Deckel passt. Deshalb also zu diesem Objekt ein Buchdeckel, den man zwischen privaten „Kennenlernen“-Gesuchen abdruckt?

Oder muss man sich vielleicht doch nicht wundern? War dochin der FR-Rezensiondavon die Rede, „dass noch nie in der Geschichte der Menschheit so viel unternehmerischer Geschäftssinn dafür aufgewandt wurde, um den Homo sapiens unter die Haube zu bringen“. Nun denn, auch hieß es in der Rezension, dass die fünf Erzählungen Einblicke in „Bekanntschaften und Liebesbeziehungen geben, die alle mehr oder weniger einem modernen Kuppelwesen entsprungen sind“.

Wo auch immer die Liebe sonst so hinfällt: Der Hanser Verlag hat espritvolles Werben für eines seiner Bücher gegen banale Werbung eingetauscht. Anstelle eines eher üblichen Umgangs (Niveau, warmherzig) haben Leserin und Leser (sie und er) kalte Kuppelei kennengelernt.

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