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Times Mager

Kunsthafen

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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20 Millionen Euro soll das Objekt der Begierde kosten, ein jährlicher Etat von 4,8 Millionen Euro ist ab 2013 vorgesehen: Das Berliner Projekt für eine Kunsthalle am Humboldthafen. Von Harry Nutt

Die Netze, über die am Wochenende die German-Masters im Beach-Volleyball ausgeschmettert wurden, sind wieder abgebaut, und nicht weniger provisorisch erscheinen die Strandliegen neben dem Beduinen-Zelt des Traumtheaters Salomé. Sommer in der Stadt und ein Hauptbahnhof in Bewegung. Etwas immobiler möchte an diesem Ort nun Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit werden.

Seit einiger Zeit favorisiert er den so genannten Humboldthafen als Standort für eine Berliner Kunsthalle. Bekräftigt wurde Wowereits Idee gestern auf der Klausurtagung zum Haushalt des rot-roten Senats. 20 Millionen Euro soll das Objekt der Begierde kosten, ein jährlicher Etat von 4,8 Millionen Euro ist ab 2013 vorgesehen. Damit hat sich Wowereit einmal mehr als entscheidungsfreudiger Kulturpolitiker erwiesen. Der Zeitpunkt ist kurios genug. Über The Art & City wurde zeitgleich auf Einladung der Heinrich-Böll-Stiftung prominent diskutiert. Was man will und wie man es will im Namen der Hauptstadtkunst. So großzügig Wowereits Vorschlag erscheinen mag, so begrenzt ist die Freude der Beschenkten über das maritime Areal mit Gleisanschluss. Während Wowereit ein repräsentativer Bau mit Bilbao-Effekt vorschwebt, wünscht sich die Kunstszene einen künstlerischen Optionsraum, der seine Fenster mal für diesen, mal für jenen Geist öffnet. Der Probelauf kann vorerst als gescheitert betrachtet werden.

Nach diversen Personal- und Konzeptionswechseln ist die Temporäre Kunsthalle auf dem Berliner Schlossplatz, einst mit großen Hoffnungen auf der berühmten Berliner Stadtbrache errichtet, zu einer Abspielstätte ohne eigenes Profil geworden. Berechtigte Hoffnungen bestehen allerdings, dass Udo Kittelmann, seit November 2008 Direktor der Neuen Nationalgalerie, die strukturellen Defizite in Sachen zeitgenössischer Kunst in Berlin mit fortschreitender Amtszeit zu beheben vermag.

Ein Dilemma der Kunsthallendebatte scheint in dem Bedürfnis nach einem festen Haus und der gleichzeitigen Furcht vor institutionellen Bindungen zu bestehen. Weil Politik derlei Widersprüche nicht bearbeiten will und kann, möchte Wowereit seinen Kunstcontainer nun am Humboldthafen fest vertäuen.

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