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Verkehrte Welt: Merkel rechts, die AfD links.
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Verkehrte Welt: Merkel rechts, die AfD links.

Rechtsaußen

Kulturkampf

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
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Diejenigen, die schwadronieren, Deutschland schaffe sich durch die Einwanderungspolitik ab, haben sich verschworen, die Demokratie wie im Zuge eines Duells abzuschaffen.

Die AfD macht es schließlich vor. Nicht das Argument zählt, sondern die Aversion. Und Gefallen finden Partei und Anhängerschaft an dem Fake, die Rechte werde verfemt. Unsinn lässt sich nicht einfach abschaffen, auch dieser nicht, obwohl die AfD nicht verfemt wird, nicht verfolgt wird, vielmehr wegen ihrer Feindseligkeiten und der vorsätzlichen Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas in Debatten immer größer rauskommt. Man redet mit den Rechtsaußen, unaufhaltsam, unaufhörlich.

Verfemt fühlt sich auch der Schriftsteller Uwe Tellkamp, nachdem er in Dresden auf einem Podium mit dem Kollegen Durs Grünbein aneinandergeraten ist, wo Tellkamp zur Flüchtlingspolitik nicht etwa nur  eine konservative Meinung vertrat, sondern Feindseligkeiten verbreitete, Ressentiments, so dass er auf Grünbeins Widerspruch stieß, worauf Tellkamp irgendwann meinte: „Meine Meinung ist geduldet, aber erwünscht ist sie nicht.“

Die Larmoyanz beansprucht Opferstatus und mit ihm das Ressentiment Duldungsstatus, auch im Bundestag, seitdem sich die AfD hier zum Sprecher der Aversion gemacht hat. AfD ist überhaupt nur ein anderes Wort für Aversion. Da es allerdings nicht nur um Deutungshoheit an diesem Ort der Austragung gesellschaftlicher Konflikte geht, trägt sie ihre Kämpfe weiterhin außerparlamentarisch aus, ob auf der Straße oder an den Stammtischen. Und darüber hinaus? Erlebt die Gesellschaft eine weitere Ausweitung der Kampfzone?

Kein belesener Bürger ist so naiv, dass er Schriftsteller gefeit sähe gegen Animositäten, Antipathien, Aversionen, all das. Allerdings gehört es zur Meinungsfreiheit, auf ihr zu beharren, ohne sich mit Ressentiments einverstanden zu erklären, dies umso mehr, weil der Rechtspopulismus und erst recht der Rechtsextremismus ein Interesse an der Destabilisierung einer Debattenkultur haben.

In einem weltgewandten Text für die „Süddeutsche Zeitung“ hat Grünbein die gesellschaftliche Misere soeben so beschrieben: „Diese Gesellschaft ist tief gespalten, das zeichnet sich immer mehr ab. Die einen bedauern dies und sind der täglich sich ausweitenden Spannungen müde. Andere begrüßen die Spaltung und versprechen sich vom offenen Streit eine reinigende Wirkung, wobei nicht ganz klar ist, ob sie damit einen bloßen Kulturkampf im Sinn haben, echte Sozialkämpfe bis hin zum Generalstreik oder einen neuen Bürgerkrieg, der unsere fragile Demokratie in Chaos und Blutvergießen stürzt.“

Bestürzend ist es jetzt schon. Diejenigen, die schwadronieren, Deutschland schaffe sich durch die Einwanderungspolitik ab, haben sich verschworen, die Debatte und Demokratie wie im Zuge eines Duells abzuschaffen.

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