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Diese Kuh lässt es sich gut gehen.

Times mager

Kuhbeistand für die SPD

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Die SPD-Spitze würde eine Kuh im Verhandlungssaal ausgiebig betrachten. Danach würde sie aber auch zu keinem Entschluss kommen.

Nachher ist man immer klüger, richtig. Aber es gibt auch eine Methode, vorher nichts falsch zu machen. Man braucht dazu nur: eine Kuh. Die Kuh ist im Hinduismus nicht nur heilig, sondern nützlich, weil sie entscheidet. Uns gibt sie nur Milch und Fleisch, dem Hindu aber wertvolle Informationen. Milchkuh Madel hat kürzlich im Auftrag der hinduistischen Gemeinde in Bremen über eine Bauangelegenheit entschieden: Sie wurde mit bunten Blüten geschmückt und auf ein Grundstück geführt. Dort prüfte sie, ob es für einen Tempelneubau geeignet ist. Das ging eindeutig schneller als auf einem menschlichen Bauamt. Madel besah sich Grund und Boden, ging ein paar Schritte, dann stand ihr Entschluss: Sie wirkte zufrieden und die hinduistische Gemeinde deutete das als Bauantrag. 

Daraus kann man doch lernen. Was wäre uns allen erspart geblieben, hätte man vor Jahren eine Kuh über die Steppe geführt, die sich partout nicht in einen Berliner Großflughafen verwandeln will? Oder dorthin, wo die Ostseeautobahn seit Monaten im Boden versinkt? Andererseits: Hamburg hätte heute sicher keine Elbphilharmonie, hätte man Madel einst durch den überteuerten Rohbau geführt und nicht Olaf Scholz.

Auch dessen schwer zerrupfte SPD sollte in schwierigen Zeiten nicht auf Kuh-Beistand verzichten. Wie wäre es, wenn zu den Koalitionsverhandlungen mit CDU und CSU Martin Schulz mit einer Kuh am Band den Verhandlungsort betritt? Führende Genossen beobachten dann, was die Kuh macht. Fühlt sie sich wohl, drängt sie sofort wieder aus dem Saal, um sich draußen wie ein Juso erst zu verkleinern, um irgendwann als Riesenrindvieh zu enden? Zieht es sie dorthin, wo Angela Merkel bald sitzen wird? Oder macht sie überraschend den Christian Lindner und klatscht der Kanzlerin einen Fladen vor die Füße?

Anders als im Hinduismus gibt es in der Sozialdemokratie leider keinen Priester, der das Verhalten einer Kuh verstehen könnte. Die SPD-Spitze würde die Kuh im Verhandlungssaal ausgiebig betrachten. Danach würde sie zu gegensätzlichen Einschätzungen kommen, aber zu keinem Entschluss. Man würde sich und die ausgeprägte Debattenkultur loben und schließlich eine neunköpfige Kuh-Deuter-Kommission gründen. Man würde Tiersachverständige einladen, den Deutschen Bauernbund, die Gewerkschaften. Man würde einen Besuch auf einem Biobauernhof planen. Am Ende wäre alles wie jetzt: Sahra Wagenknecht meckert rum, Andrea Nahles ist heiser, Alexander Dobrindt stänkert. Und immer noch keine Große Kuhalition.

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