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Gegen das Leben mit Robotern ist jede Studenten-WG ein Kinderspiel.

TIMES MAGER

Künstliche Intelligenz: Notschalter

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Roboter werden unsere Probleme lösen? Für den Haushalt gilt das schon mal gar nicht.

Auch fürs Putzen brauche es Intelligenz, hatte sie mehrfach gesagt.“ (Regina Nössler, „Die Putzhilfe“)

Die Träume des Menschen, der die Badewanne putzt und den Kalk nach Hause schicken möchte auf die Kalkfelsen, der im Abflusssieb der Dusche Haare in einer Menge findet, mit der sich jeder Yeti gut bepelzt fühlen würde, der die Wäsche aus dem Wäschekeller holt und leise seufzt, weil er wenigstens Teile davon bügeln sollte (wäre es eine Alternative, alles glatt zu streichen und die beiden großen Langenscheidts Englisch–Deutsch und Deutsch–Englisch draufzulegen?), der nicht versteht, dass sich schon wieder Wollmäuse unterm Bett gesammelt haben, als gälte es, dort das große internationale Fest der W-Mäuse zu feiern (Stargast ist diesmal Florian Silberfischchen), die Träume dieses Menschen also zielen gern mal in die Zukunft. Die er sich vollautomatisiert, dezent computerbegleitet und also paradiesisch vorstellt.

In der nämlich werden Roboter sich nicht grämen, wenn man ihnen Hanno, putz! oder Heidelinde, hoover! befiehlt, sie werden sogar Socken klaglos bügeln und falten (auch wenn selbst Maschinenhirne das irgendwie unsinnig finden), sie werden geduldig die Unterseite der Klobrille schrubben, Zahnpastaspritzer vom Spiegel entfernen und die Spaghetti al dente kochen, auch wenn sie selbst gar keine Zähne haben.

Leider muss Ihnen das Times mager vorerst sagen: Träumen Sie weiter. Aber gehen Sie davon aus, dass Sie noch lange selbst schrubben, räumen, feudeln und die Handtücher zusammenfalten müssen. Außer, Sie legen sich eine ganze Robotermannschaft zu, mindestens eine Spezialistenelf.

Denn für Haushaltsarbeiten braucht es nicht unbedingt unkünstliche Intelligenz (UI), wohl aber das jeweils passende Fingerspitzen- und generell Körpergefühl. Will sagen: Roboter A mag Teller greifen können, aber deswegen noch lange nicht Tassen oder Gläser. Roboter B mag auf Weingläser geschult sein, deswegen erkennt er noch nicht das Bierglas. An eine Maschine, die zum Beispiel den Tisch decken kann, ist noch gar nicht zu denken.

Die Zukunft wird also eher so aussehen: Wischmoppel ist fertig, hat sich im Fernsehsessel niedergelassen und gibt die Fernbedienung nicht mehr her. Und wo ist der Notschalter? Fensterputzer hat sich gestreckt, ist rausgefallen und muss zur Reparatur. Staubknecht hat seine Höhe unterschätzt und klemmt unterm Bett fest. Kochmamsell hat im Salat eine Raupe gefunden und sich abgeschaltet, weil sie auf vegetarisch programmiert ist.

Gegen das Leben mit Robotern ist jede Studenten-WG ein Kinderspiel. Allerdings nehmen sie wenigstens nicht das Bad in Beschlag.

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