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Künstlertalk

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Von: Sandra Danicke

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Gerhard Richter 2018 im Museum Barberini in Potsdam.
Gerhard Richter 2018 im Museum Barberini in Potsdam. © Bernd Settnik/dpa

Gerhard Richter gab nur selten Interviews. Mit Hans Ulrich Obrist sprach er aber immer wieder gerne - auch über Kollegen, die er nicht mag

Künstler oder Künstlerinnen, die über ihre Kunst reden - das entpuppt sich nicht selten als schlechte Idee. Es kommt vor, dass man die Werke vorher gemocht hat, nachdem man die Erläuterungen der Künstlerin gehört hat, jedoch als banales Gepinsel erkennt. Es kommt vor, dass man einen Maler großkotzig findet und das Werk dann nicht mehr genießen kann. Es kann ebenso gut sein, dass einem die Künstlerin ihre Welt so plausibel erklärt, dass man ein vorher als banal empfundenes Werk danach wertschätzt. Bei Gerhard Richter findet man von allem etwas.

In einem jetzt im Kampa Verlag erschienenen Band mit Interviews, die der Kurator Hans Ulrich Obrist über Jahrzehnte hinweg mit Gerhard Richter geführt hat („Interviews mit Gerhard Richter“), plaudern zwei, die sich gut kennen. Das hat den Nach- und Vorteil, dass keine grundsätzlichen Fragen gestellt werden. Es geht vielmehr darum, an konkreten Stellen nachzuhaken. Man erfährt dabei Überraschendes. Zum Beispiel über jene Gemälde, die unscharfen Fotografien gleichen. Was hatte man sich über diese Darstellungsform den Kopf zerbrochen. „Die Fotorealisten haben später Fotografien auf eine pingelige, detaillierte Art gemalt“, so Richter. „Dafür habe ich nicht die Geduld.“ Ach so.

Schön auch, wenn Richter sich über andere Künstler äußert, wobei positive Urteile natürlich eher langweilig sind. Man ist doch auf das Negative viel neugieriger. Zum Beispiel über Magritte („wundervolle Kalenderkunst“) und dessen berühmtes Gemälde „Der Verrat der Bilder“ („,Das ist keine Pfeife‘: Für mich ist das keine sehr wichtige Information“). Oder dies: „Der leidende, unbeachtete van Gogh ist nicht mein Ideal.“ Außerdem: „Wen ich nie mochte, obwohl er sicher der Großartigste ist, ist David Hockney“.

Herrlich auch, wenn man dabei auf überraschende Affinitäten stößt. Wer hätte gedacht, dass Richter ein Faible für Salvador Dalí hat? Zusammen mit Sigmar Polke hat Richter ihm einst eine Ausstellung gewidmet. Und das „aus Überzeugung, obwohl oder weil Dalí für die Modernen der verrufenste Künstler war, ein bürgerlicher, reaktionärer Kitscher. Dieser Meinung wollten wir etwas entgegensetzen.“

Toll liest sich auch die Anekdote wie Richter einmal fast dem von ihm verehrten Thomas Bernhard begegnet wäre: „Ein Verleger hatte mich angesprochen, ob ich nicht etwas für ihn oder mit ihm machen würde. Und ich sagte: ,Ich glaube nicht, dass er Lust dazu hat, fragen Sie ihn mal.‘ Er fragte Thomas Bernhard, und der antwortete schulterzuckend: ,Weiß ich nicht, mir egal.‘ Also es ist gut, dass wir uns nie begegnet sind. Was sollte ich mit dem Mann reden?“

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