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Helmut Schmidt sagte: In der Krise erst zeige sich der wahre Charakter eines Menschen. Das stimmt leider.

Times mager

Die große Kuchenkrise

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Über Menschen, die keinen Erdbeerkuchen mögen, muss diesmal die Feuilleton-Kolumne gründlich nachdenken.

Gerade wird Helmut Schmidt wieder ständig zitiert, aber ehe wir mit seinem Satz um die Ecke kommen: Ist es nicht ein Ding, dass es genügt, „Helmut Schmidt“ zu lesen, vermutlich einen der fünf häufigsten Namen für Männer über 70 in Europa (im Verein mit Juan Gonzalez, Jean-Jacques Martin, Paolo Rossi und Mike Jones) – also: Helmut Schmidt, und die Welt weiß, wer gemeint ist? Eine allgemeine Frankfurter Zeitung befragte jahrelang Männer namens Helmut Schmidt zu aktuellen Themen, die Helmut Schmidts gingen ihr nie aus, und trotzdem denken alle, wenn sie Helmut Schmidt lesen, sofort an diesen.

Helmut Schmidt also sagte: In der Krise erst zeige sich der wahre Charakter eines Menschen. Das stimmt leider. Vorige Woche kam das Geschreib auf Erdbeerkuchen, denn Gespräche führt man in der Krise ja kaum noch, und wenn, dann führt man Krisengespräche, ansonsten schreibt man.

Kein Erdbeerkuchen? Mit was für Leuten arbeitet man eigentlich  zusammen?

Über Erdbeerkuchen. Ihn sollte es am Nachmittag geben, worauf sich der Schreiber im Nachhall einer Dienst-E-Mail zu freuen erlaubte. Die Adressatin antwortete: Superb, aber sie sei die „Kein-Erdbeerkuchen-Kollegin“.

Nun hat es Ihnen die Sprache, die Lese verschlagen. Zu Recht. Kein Erdbeerkuchen? Wer solches gewahrt, müsste sich normalerweise fragen: Mit was für Leuten arbeite ich hier eigentlich unter einem Dach zusammen? Und in der Krise: Mit was für Leuten arbeite ich unter keinem Dach, unter zwei Dächern – mit was für Leuten arbeite ich hier eigentlich unter krisenbedingt getrennten Dächern zusammen?

Kein Erdbeerkuchen. Kuchenkrise. Die Erdbeere, wichtigste Währung des Frühlings. Seit Jahren veröffentlichen Büroangestellte, wenn wir schon bei Leitwährungen sind, Fotografien von Toilettenpapierrollen, die verkehrtherum auf den Toilettenpapierabrollspender gesteckt wurden. Das sieht dann so aus, dass, wer Toilettenpapier entnehmen will, am Überhang zieht, der an der Wand herabbaumelt. Falsch.

Im Nahbereich arbeitet eine Kein-Erdbeerkuchen-Kollegin – eine verstörende Tatsache

Richtig: Die Toilettenpapierrolle ist so anzubringen, dass der Überhang an der wandabgewandten Seite herabbaumelt. Andernfalls steht die Frage im Raum, mit was für Leuten man hier eigentlich zusammenarbeiten muss. Es ist verstörend, aber nicht so verstörend wie die Tatsache, dass im Nahbereich eine Kein-Erdbeerkuchen-Kollegin arbeitet. Auch wenn sie ansonsten erwiesenermaßen die beste Kollegin auf der ganzen Welt ist.

In dieser Woche vor 46 Jahren wurde Helmut Schmidt zum Bundeskanzler gewählt. Wer ihn besuchen wollte, heißt es, durfte nur rein, wenn er den Kuchen einer gewissen Eppendorfer Konditorei mit sich führte, aber das hilft uns jetzt auch nicht weiter.

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